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Full text of "Erdbebengeographie By A Sieberg"

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Handbuich der Geophysik^ 

herausgegeben von 
Professor Dr. B. Gutenberg 



Band IV, Lieferung 3 

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A. Sieberg 

Erdbebengeographie 



Mit ;it£l AbbUdcihlen 



Berlin 

Verlag von Gebrüder Borntraeger 

W 3fi Sphönptiorni'i llftw ]'>a 



&1 551.22 Sil 5e 

•Sieberg, August Heir 
krdbobengeographie 
WE534 .8540 1932 



Inhaltsübersicht 



Vbsehnitt VI. KnUndHUiueouraphie. von A. Sieberg, Jena. Seite 
§ 181. riol.leinsU'lluuo- ■ ■ n8H 

Kapitel 29. Die Hilfsmittel der Erdbebeitgeogi aphie 688 

§ 182. Die l T ntersuchuni:smethoden h8 9 

§ 183. Das tteobarhtumrsinaterial ( > 92 

§ 184. Das tektonische Weltbild im 

Kapitel 30. Kuropa: 

§ 185. Allgemeiner Überblick ™f 

§ 180. Die Baltische Masse ^ 

§ 187. Die Russische Tafel 

§ 188. Das No^hvesteuropäische Sehollenland ^04 

§ 189. Das Westeuropäische Schollenland 708 

§190. Das Mitteleuropäische Schollenland . 711 

§ 191. Die Alpen • 3?o 

§ 192. Die Karpathonländer 'J 6 

§ 193. Die Iberische Halbinsel 737 

§ 194. Die Apennin-Halbinsel 744 

§ 195. Die Halkanländer 754 

§ 190. Die Hellenische Haihinsel 7(H) 

§ 197. Das Mittelländische Meer 708 

Kapitel 31. Asien: 

§ 198. Allgemeiner C'herhlick ^ 

§ 199. Die Nordasiat isehe Masse . , 3^! 

§ 200. Das baikalisch-sajanische Schollenland 780 

§ 20 1 . 1 )ie innc rasiatischen (iebinrsländer '- m 

§ 202. Die vorderasiatische Tafel 793 

§ 203. Die Klcinasiatische Halbinsel 804 

§ 204. Das Annenis(die Schollenland ^ 

§ 205. Der Kaukasus 81 ;j 

§ 200. Die Iranischen (iel)ir.osländer 8U 

§ 207. Das Indische l iebirgssystem 8U J 

§ 208. Die ( >st asiat ischen Staffelländer 82i) 

§ 209. Die Sundainseln und Molukken 831 

§ 210. Die Philippinen . . ■ 844 

§211. 1 )ie .Japanischen Inseln 8M 

§212. Inseln Ostasiens und Kamtschatka 8()0 

Kapitel 32. Afrika: 

§ 213. Allgemeiner C'herhlick 804 

§ 214. Das Atlasgebiet 8( J (> 

§ 215. Die Saharatafel . 8 _ 

§210. Das Ostafrikanisclie Bruchschollenland 8// 



^ Inhaltsübersicht 

§217. Das Südostafrikainsehe Tafelland s ' Mt0 
§2JX. Das Kapländische Rumpfgebiom * !m 

o !!' !! aS ^ üdweR t»WkanUche Tafelhmd 81,4 
Jf -21). Das Kameruner Bergland S9r> 

SCIX 

Kapil.., 38 . Der I,„ lisclu , n zoan M „,t. R , ut „ 
^21. Allgemeiner Überblick 

§ 222. offene Ozean 

§ 22:?. Dm Inseln !)(> 1 

!H)2 

K '"'»; o "*- A, 1St ,,,i,„ Silm( To«,,,.,,,!,,, „„„ X,.„, uilH , n: 
^ 224. Allere meiner l berbliek 

§ 225. Australien MW 

S 2215. Neuguinea [ ' * * * ' ' ' ' ' * 1101 

<m<) 

K: ' , '; i :: :1; ' ul ""' ' s,i„, 
i? Iii. Allgemeiner 1 T berbliek 

§ 22S. Das Nordpazifische Borken 9J4 
5} 229. Das Südpazifische Becken ' 0,H 
§ 230. Das Ostaustralische Mittelme'er i,2 ° 

§ 2:n. Neuseeland . 920 

923 

Kapitel .«}(>. Nordamerika: 
§ 232. Allgemeiner ('berbliek 

§ 233. Die Kanadische Ma^e ' ^2s 

§ 234. Die Prärietafcl »2!» 

§ 23r,. Die Appalachen ^-9 

§ 23(i. Die Kordilleren ^2 

§ 237. Mexiko ... !>34 

' 9 13 

<;,pi<< '' Mittela.nerika samt W e s ( i „ d i e n • 

§ 23S. Mittelamcrika 

§ 239. Wesfindien JMS 

9(iO 

Upjfel 38. Südamerika: 

§ 240. Allgemeiner ("'berbliek 

$241 Die Masse von Oua yana-Biasilien ' 0,57 ' 

& 242. Die Pampas-Tafel sm 

§ 243. Die Nordanden ' 

§ 24 4. Die Mittelanden . { ' 7 « 

§ 24f>. Die Südanden {>7|) 

8 24(>. Allgemeiner Uberblick 

§ 2 17. Das Kuropäisclie Nordmeer !M>,> 

8 24S. |)i e Atlantische Schwelle sm 
§240. Die Ostatlantische Mulde !,W 
§ 250. Die Westatlantische Mulde U){VA 

Joor, 



Abschnitt VI 

Erdbebengeographie 

von Rog.-Rat Froh Dr. A. Sieberg, Jena 

In der Krdbebentätigkeit zeigt die Kidrinde sowohl auf dem losten Lande 
als auch unter den Weltmeeren weitgehende regionale und lokale l mtersch jede 
nach Stärke, ('haralder und Häufigkeit, Große Gebiete sind praktisch beben- 
frei, während sieh in (Gewissen Zonen die Bebontätigkoit außerordentlich folgon- 
sebwer und lebhaft gestaltet; zwischen diesen beiden Kxtromen pflogen Cber- 
gangszonen eingeschaltet zu sein. Mit der geographischen Verteilung der Kid- 
beben und den Problemen theoretischer und praktischer Art . die sich daraus 
ergeben, beschäftigt sich die Krdbobengeographie. 

Wenn man mit Si fjookc l ) ein Knibeben als einpoliges Kraftfeld ($ 125) auf- 
faßt, dann ergibt sich ohne weiteres die Definition der Erdhcl» ixjunjra phi<> als 
die Ltfui ron dir rdinnliehot und rjitlichen Summe aller *< i*m ischen Kraft fehler 
der Erde in ihren Wirkun<j<n an der Krdoberfläche und ihren tieferen Ersuchen. 
Hieraus folgen zw angsläufig Aufgabe und Arbeitsmot hodo der Krdbobengeographie 
derart, daß die Starken der Knibeben, also die ( )horf läcbenbilder der seismischen 
Kraftfelder, sowie die Ihreh als die Kraftquellen die Grundlage aller Forschung 
bilden müssen. 

Diese beiden Vorbedingungen erfüllt zum erstenmal der nachstehende Ver- 
snob. Zu diesem Zweck mußten, gestützt auf eigene Untersuchungen in ver- 
schiedenen Krdbebonländern, neue Arbeitsmethoden entwickelt und auf ihre 
Brauchbarkeit geprüft werden: diese seien unter der Bezeichnung Kraft feld- 
metbode zusammengefaßt. Hiernach wurde alles erreichbare Beobachtuugs- 
matorial für die ganze Welt von Grund auf neu bearbeitet. Tm Mißverständ- 
nissen vorzubeugen sei ausdrücklich betont, daß dabei bis auf vereinzelte Aus- 
nahmen, die im Text als solche besonders bezeichnet sind, sämtliche zitierten 
Werke über Krdbebcn und Tektonik lediglich als Matena 1<| uellen dienen konnten. 

So entstand zunächst, eine si i\mi*chr Erdlx schre Um na . Daß nur sie die un- 
erläßlichen Vorkenntnisse übermittelt für alle Versuche. Schutzmaßnahmen, gegen 
verderbliche Krdbehonw irkungen in geregelte Bahnen zu lenken, bedarf nach 
§ VM\ keiner besonderen Beweisführung. Krst die Verknüpfung der Wirkungen 
mit den Ursachen führte zum seismischen. Weltbild. In dem Maße, wie dieses 
sieh vertiefte, hoben sich ganz bestimmte < iosetzmä ßigkeit en immer schärfer 
heraus, gleich bedeutungsvoll für die reine wie für die angewandte Wissenscha ft . 
Ks zeigte sich, wie die Krdbebentätigkeit joder VVeltgegend. auch der suhma? inen, 
mit dem telefonische n Aufbau in engstem Zusammenhang stobt und die ganze 
geologische Knt w ick hing, die das betreffende Krdrindonst üek durchgemacht 
hat, widerspiegelt. Darüber hinausgehend erweist sich die Krdhchent ä t igkeit 
als Anzeiger und als Maß für das Wirkon jener Kräfte, die als ( ;, binjsbild u »</ 



M A. Summa:. (;<-oh»gisehe Kinl'ühi ung in die Conphy<ik 

U.m.'II.u, h ,],-r O .pln-il: 11,1. | 



.1*mo 1ICJ7. 



A. Sieberg: Erdbebengeographie [2 | 

im weitesten Sinne (Epirogenese und Oogenese) noch heute das Mosaik der l 
Erdrinde durcheinander bewegen. Erst hiermit ist der Beweis erbraeht, daß 

die Erde kein Fossil mit bekanntem Werdegang und anatomischem Bau ist, ; 

sondern gleichsam ein Lebewesen, dessen Organe verschiedener Funktion sich \ 

in ihrer Tätigkeit zu erkennen geben. Schließlieh gestatten die Ergebnisse der \ 

Erdbebengeographie, aus der Erdbebentätigkeit einer liegend beachtenswerte • 

Rückschlüsse auf deren vielleicht noch unbekannte oder strittige 7V ktonik zu ziehen. : 

Unter diesen Einständen könnte es befremden, daß wenige Werke der geo- 
graphischen und der geologische n Länderkunde die Erdbeben überhaupt, und | 
bloß ganz vereinzelte sie in ausreichender Weise berücksichtigen. .Jedoch dürfte \ 
dies leicht zu erklären sein. Trotzdem es nämlich Erdbebenkataloge, Jahres- i 
berichte von Erdbebendiensten und Untersuchungen über Einzelbeben aller f 
Weltgegenden in sehr großer Zahl gibt, ist die Sprödigkeit des Materials geeignet, | 
von Versuchen zusammenfassender Bearbeitungen abzuschrecken. Zudem hatten ; : 
sich, in Ermangelung einer klaren Problemstellung und Materialkritik, unzu- \ 
längliche Arbeitsmethoden herausgebildet und durchgesetzt, während manche i 
wertvolle Verbesserungsvorschläge unbeachtet bleiben. Deshalb ist es verstand- ; 
lieh, daß viele Untersuchungsergebnisse nicht das zu bieten vermocht ein was l 
erhofft wurde; außerdem begünstigten sie das Aufkommen gewisser Vorstellungen, [ 
die der kritischen Nachprüfung nicht standhielten. 

§ 181. Problemstellung. Untersuchungen über die geographische Ver- : 
teilung der Erdbebentätigkeit sollen Auskunft geben über: 

L Die Erdbebengebiete und ihre genaue Umgrenzung, vor allem jener Zonen, 
die im Laufe der Geschichte von Schäden oder gar Zerstörungen betroffen worden ; 
sind; um so mehr deshalb, weil damit gerechnet weiden muß. daß sie auch in j 
Zukunft mindestens ebenso stark zu leiden haben werden. Dabei bedürfen die , 
örtlichen Beziehungen der Bebenwirkungen zu den Bodenverhältnissen und den 
tektonischen .Störungen des Untergrundes (Kap. 15) der Klärung. 

2. Die Herde nach Lage, Charakter (§ 142) der Tätigkeit und Beschaffenheit . 
als geologische Störungsstelle (§ 126). 

3. Die regionalen Beziehungen der Herde zueinander und zur großräumigen :- 
Tektonik. ? 

4. Die Häufigkeit der Erdbeben, dedoeh ist deren Bedeutung für unsere 
Probleme bis jetzt sehr überschätzt worden und hat sogar zu mißverstandenen 
Auffassungen geführt, ganz abgesehen davon, daß das Material ganz besonders 
spröde ist. 

Erst die so gewonnenen Erkenntnisse ermöglichen es, die Lehren der theo- \ 
retischen Erdbebenforschung prallisch zu verwerfen, und zwar für; . 

5. Die Volkswirtschaft zu möglichst weitgehender Verhütung gefährlicher ; 
Erdbebenwirkungen durch vorbeugende Maßnahmen (Kap. Iß) : f 

(). Die Geologie zur Klärung strittiger Kragen über Tektonik, namentlich \ 
des Schollenbaus der Erdrinde und seiner Regsamkeit in solchen Oehioten, die ; 
geologisch nicht genügend erschlossen oder, wie die Meere, nur schwer erschließ- ' 
bar sind. 

Kapitel 29 

Die Hilfsmittel der Erdbebengeographie 

Die Weiterentwicklung der seismischen Erdbeschreibung zum kausalen • 
seismischen Weltbild hat zur Voraussetzung in erster Linie die Kenntnis des 
geologischen, vor allein des fektonixehen, Weltbildes, sodann der Dunannk ttkto- 
nixchcr Vorgänge (Kap. 21). Die zuerst genannte Bedingung hatte schon gegen 



3] Die Hilfsmittel der Erdbebengeographie ßgej 

JS20 der (hittingor (Geologe K. E. A. von Hoff 1 ) erkannt und zu erfüllen ver- 
sucht, soweit es das sehr bescheidene geologische Wissen der damaligen Zeit ge- 
stattete. Auf diesem Quellenwerk beruht auch die erste, 1SÖ1 veröffentlichte Welt- 
karte der Erdbeben, die in wenig veränderter Form ohne Quellenangabe bis in 
die (Jegenwart hinein mehrfach zum Abdruck gelangte: Truujott .Bro.mmr 2 ) 
ist ihr Verfrisser. Eine ausreichende Grundlage bot erst E. SrEss 3 ), der in noch 
höherem Maße als Alk. Heim 1 ) die Tektonik entwickelte und vor allem zum 
ersten Welthilde zusammenfaßte, auf dem die aushauenden Nachfahren 
fußen. Letzteres legte F. m; Mqnt i;ssrs de Bai.loiu: 5 ) seinem sei smisc h e n W elt 
bilde zugrunde, das. als reife Frucht jahrzehntelanger Kleinarbeit, einen' Mark- 
stein in der Erdbebenforsehung bedeutet, Schon vorher hatte E. Rudolph 6 ) 
die sel,r verdienstvolle Geographie der Seebeben geschaffen, allerdings ohne deren 
Gesetzmäßigkeiten zu erkennen. Weder Surcss' noch Montessus' Verdienst wird 
im geringsten geschmälert dadurch, da 15 sich die Forschungsergebnisse über- 
stürzten. Dem versuchte Sieker«: 7 ) bereits 1<M)K Rechnung zu tragen; seine 
seismisch-tektonische Weltkarte berücksichtigte neben der Makroseismik auch 
die Mikroseismik und wies außerdem für die Seeheben die Zusammenhänge mit 
dem Relief bzw. der Tektonik des Meeresbodens nach. Im Gegensatz zu Mon- 
tessls wurde bei dieser Gelegenheit erstmalig die Ansicht aufgestellt und ver- 
treten , daß die Bruchtektonik der Faltentektonik als Erdbel icnerreger weit über- 
legen ist: später erbrachte E. Brnourn 8 ) neues Beweismaterial hierfür. Seitdem 
folgten weitere zusammenfassende Darstellungen 9 ) Siekekos mit Weltkarten 
unter verschiedenen Gesichtspunkten, die allerdings von der jeweils herrschen- 
den Auffassung noch mein- oder minder beeinflußt waren, sowie während der 
Korrektur eine Arbeit von F. T \ ms 10 ). Erst der nachstehend angewendeten 
Arbeitsmethode liegt der Begriff des sristnischen Kraftfeldes zugrunde, wodurch 
wohl die erdbehcngeograpliHohe Forschung i n die richtigen Bahnen gelenkt 
werden dürfte. 

§ 182. Die rntersuclumgsinrtluMlcn sind fast ausschließlich makroseis- 
mische. Da es sich, wie bereits betont wurde, um die Erforschung von Kraft- 

M K E - A - vn\ IIoee. (ieschichte der natürlichen Veränderungen der Erdober- 
fläclie. (bdha 1822 1811. 

2 ) Ta.vuoorr Bromme, Atlas zu Alex. v. Humboldts Kosmos. Stuttgart 1851. 

:! ) Kia;AiM» Scess, Das Antlitz der Lide. Prag-Leipzig 1885 HM Mb 

M Alheim' Heim, Untersuchungen über den Mechanismus der < iebirgsbilduinr. 
Basel 1878. 

5 ) F. DK Moviessus Di: Baeeore. Les f rembleinent s de terre, geographie seisiiio- 
loghpie. Paris EMMi. 

r ') K. Kenori'ii. ( her submarine Frdbeben und Eruptionen. Beirr, z. (Jeopliys. 
Bd. 1 - Ib 1887 18U8. 

7 ) A. Siep.ero, Der Kolhall, seine Entwicklung und seine Krättr. KBIinge,,. 
München H)08. 

u ) L. Hn.oEi'ii. i: bei die geographische Verteilung der Kpizenhalgcbiele von 
Weltbeben und ihre Beziehungen zum Bau der Frdrinde. ( \ R. \ ] . Intern. (Jeol. 
Kongreß DIU. Stockholm HM 2. - - Derselbe und S. Szihtes. Zur Erklärung der 
geographischen Verteilung von (irnHbebon. Poteim. Mit!., HM L 

'■') A. Sierero, Die Verbreitung der Krdhehen auf Crund neuerer niakro- und 
niikroseismischer Ib«ob;i<dt1 ungeu und ihre P.edeutuug für Fragen der Tektonik. 
Veröl'ftb Pei<di<anst. f. Lrdhehenforsrh. in .Jena, llclt I. 1U22. Deiselbc. (Jeo- 
logisehe, physikalische und angewandte Krdbehenkunde. .leua H)2:b Derselbe, 
(biologische Einführung in die Ceophysik. Jena l!»2L 

in ) E.Tam-, Die Seisniizität drr lade. Handb. d . E x pmin.- Ph \ s.. IM • ' 5 . ! < - i f , x i . ■ 
HKH. 



690 



A. Sieberg: Erdbebengeogra phie 



[4 



leidem handelt, müssen in erster Linie deren Oberflächenbilder und Kraftquellen 
ermittelt werden. 

a) Die Stärken sind im menschlichen Lehen das wichtigste am Erdbeben: 
dies ergibt sich schon ohne weiteres aus dem Begriff dieses Naturvorganges. Mit 
Rücksicht auf die Beschaffenheit des durchschnittlichen Beobaoht ungsmaterials 
hat es sich als das zweckmäßigste erwiesen, für Erdbeben auf dem festen Lande 
drei Stärkegruppen zu unterscheiden: Zerstörungen entsprechend S n der 
M ERC A ULI- S iebeik } - Skala , Schneien mit (>° und 7" sowie Schadhsigh it l)ei 2° -5<». 
Eür die Küstengebiete mußte auch auf die heidnischen Wogen (S. (»71) soweit 
Rücksieht g e nomm e n w e rden, wie es das Beobach t ungsmate r ial überhaii])t ^taT- 
läßt. Am unergiebigsten sind die '.Beobachtungen über gefühlte Xc*b,l,rn. weil 
sie selbst in den günstigsten Fällen weder über das Oberflächeuhild dos Kraft- 
feldes noch über die Herdlage Auskunft zu geben vermögen. Bloß submarine 
Yu] km} ausbrüche lokalisieren ohne weiteres die Störungsstelle. 

b) Die Herde verursachen die Beben. Wenn möglich, winden die Lagen 
der Herde makroseismisch bestimmt (§14:5). für die Meeresgebiete mikroseis- 
misch: auf dem festen Lande mikroseismiseh bloß in vereinzelten Fällen. Zur 
Darstellung der Leistungsfähigkeit diente die Unterscheidung j n kokal- und 
.Kleinbebenherde. Mittelbebenherde sowie (iroß- und \Yeltbeb<nh< rd< entsprechend 
Sieber(Js Oharakterklassen (Tab. 107). wobei ja auch die relativen Herdtiefen 
(S. 591) indirekt mit zum Ausdruck kommen. Gewählt wurde für jeden Herd 
die höchste Uharakterklasse, die nachweisbar war, in Zweifelsfällen die Bezeich- 
nung als Kleinbebenherd. Aus dem geologischen Bau der Herdgebiete ergeben 
sieh mehr oder minder zuverlässige Anhaltspunkte für die Beurteilung von deren 
Beschaffenheit als geologische Störungsstelle. 

c) Die Häufigkeit der Erdbeben gewährt Auskunft über die K< g«a »> keif der 
Herde, besonders bei Anwendung der Kln^ylst sehen Methode 1 ). Aber davon ab- 
gesehen ist sie von ganz untergeordneter Bedeutung (S.bSb) für Theorie und Praxis, 
solange sie für sich allein betrachtet wird. Denn der von JMontkssi s dk B.\ll<>re 2 ) 
und anderen angenommene Parallelismus zwischen Häufigkeit und Stärke be- 
steht, abgesehen von wenigen Ausnahmefällen, nachweislich nicht. Vielmehr 
entbinden viele sehr regsame Herdgebiete bloß geringe Energiemengen, während 
in anderen Gegenden die Erdbeben zwar selten, aber verhält uismä ßig oft be- 
sonders kraftvoll auftreten. Außerdem pflegt selbst heute noch die makro- 
seismische Berichterstattung so lückenhaft zu sein, daß meisten^ nicht einmal 
Gewähr vorhanden ist. die ungefähre ( Größenordnung sicherstellen zu können. 
.Beispielsweise hat für Landstriche, die bis vor kurzem noch als sehr bebenarm 
galten, verschärfte .Berichterstattung große Regsamkeit nachgewiesen. Schließ- 
lich kann es bei der Bewertung von Schwarmbebcn und von Naohbebenperioden 
schwerer Beben nicht ohne erhebliche Willkür abgehen. Unter diesen Umständen 
sah sich schon Montesses de Ballorf/ 3 ) veranlaßt, verschiedene Korrektions- 
methoden von recht anfechtbarer Brauchbarkeit einzufühlen. Streng genommen 
lassen sich die Bebenhäufigkeiten verschiedener Länder nur dann miteinander 
vergleicl icn. wenn sie gleiche Zeiträume umfassen und vor allem, wenn sie auf 
Mächen gleicher Grüße bezogen werden. Der zuletzt genannton Forderung ver- 
suchte lMoNTESsns vorübergehend durch den von ihm geprägten Begriff der 
-SV ixmizität Rechnung zu tragen. 

') II. Kenovist, Eber kartographische Darstellung der Seisinizif ä t . Zeil «dir. f. 
Ceophys., IM. 4. Ji»2S. 

'-) V. OK Montkssi's oi: Bau.okk. ( J ,'ogrn phie scisinolMgique. Paris l!HM>. 

:< ) V. DK Montkssc- in- Bai.i.oijk. hit roduet i.oi ä uii cssai de drscription -i-mupio 
du glohe et niesure de la sismieit e. Beitr. z. (h'ophys., Bd. I, 1 «MH». 



5] 



Die Hilfsmittel der Frdbehengengraphie 



Auch die nachstehenden Häufigkeitstabellen sind hinsichtlich der Zusammen- 
fassung von Beben aller Stärkegrade den genannten Mängeln unterworfen, trotz- 
dem die Zahlenwerte unter Zugrundelegung des besten makroseismischen Beo- 
bachtungsmaterials neu abgeleitet und dann noch stark nach oben abgerundet 
wurden. Bloß die Häufigkeitszahlen für die schweren Beben erweisen sieh als 
einigermaßen zuverlässig, wie aus den beigefügten Ergebnissen seisniomotriseher 
Registrierungen hervorgeht . 

d) Karten 1 ), die nach versehiedenen Gesicht spunkl en neu ent worfen wurden, 
dienten als Hilfsmittel für die Untersuchung und zur zusammenfassenden Dar- 
stellung des Benhacht ungsmaterials. Frst sie ermöglichen die Ableitung von 
theon tisrln n und praktisch* n Erg< l)nis.«en . und für das Verständnis der nach- 
stehenden Darlegungen sind sie unentbehrlich. Dem Verlage Gimiumm Boun- 
th\i-;oi:k sei der wärmste Dank dafür abgemattet, daß er trotz der hohen Kosten 



. Erdbebenkarien 



• GroB-oder Weilbebenherd 

© Midelbebenherd 

© Lokal -oder Kiembebenherd 

▲ zerstörte Ortschaft 

A beschädigte Ortschaft 

+ nicht beschädigte Ortschaft 




Brucli, Her 'iver 'fang 



Geologie 




Kristallin, , 
Granit 
alte Tafeln 



b. Profile 



tertiäre Faltung 



Erdbeben 



5 



Fig. 4H-2 

Signaturen für die folgenden Karten 



die Veröffentlichung der Kalten gestattete. Aus technischen ( u linden hat sieb 
die Drucklegung lang« 4 hingezogen. Infolgedessen konnten neuere oder erst später 
bekanntgewordene Arbeiten zwar noch im Text , aber nicht immerinden Karten 
Berücksichtigung finden. 

Aus der großen Zahl der 1 sos< isl< »karten von Finzelbeben werden einige 
wenige ganz oder im Ausschnitt hier abgebildet. Von grundlegender Bedeutung 
sind die heigegebenen regionalen Karten der Erdhvln ntät igkeit. Leider mußte 
aus technischen Gründen auf die an sich wünschenswerte Wiedergabe der geo- 
logischen Bodenverhältnisse meistens verzichtet, werden. Jedoch gelangte' die 
festgestellte^ Bruchtektonik soweit zur Darstellung, wie es der Kart enma ßstub 
erlaubt. Die Abgrenzung der verschiedenen Stärkezonen erfolgte an der Hand 
der Isosoistenkarten. wodurch sieh manche statischen Beziehungen (S. ößß) 
zwischen auseinanderlicgenden Gebieten ergaben. Für die Zone der schadlosen 
.Bebenwirkungen winde diesem ( Jesieht spunkt erst im letzten Abschnitt der 
Bearbeitung Rechnung getragen. Sehr vereinfachte Profile sollen für besonders 
interessante Gegenden den tektonischen Aufbau und gleichzeitig dessen Be- 

M Die zun) Teil sehr -eh u i« i im. Ilrinzcirlimmg der I* a i t ee< nt w in te brs.ugte 
Verständnis nllst die \nstalt \m,, h,g. \ui:i;n Faih:. I'.rrlin !■ i teil i 1 .|<!e. |. r.f K-,.. 
straße i>(»; ihr sei dahir gedanU 



6<)2 



A. Sieberg: Enlbebengeographie 



Ziehungen zu den Herden und den Bebenstärken deutlieh vor Augen führen 
"wd"; artCU Siml m Fig - 402 -Wb-en Signaturen verwendet. 

§ 183. l)ns B^lmcliiiu.gSHUiinial. das erreichbar war, wurde von (bund 
neu und kr ltl scb bearbeitet, und zwar gilt dies „ieht allein für die ! 
katnloge und die ; niakrosdsnnschen Jahresbericht,, sondern auch für < hV Mon i 
Kiapluen über Linzel beben. Dies hatte manchmal zur Folge, daß l>,,bonl e e 
je z i einem ganz andern, oft weit entfernten Lande zugewiesen werden müssen 
I hl 1 V ? 1 T 1 U ".7- - Al irh 80m t Ränd e rte und v ert ie f te sich das Weh" 
S^o CT f w n b T tatl ^ eit imddie D - lt ^g -iner Ursachen nicht unerhcST 

Das meiste Beobachtungsmaterial ist in zahllosen und zum Teil seh wer zu- 

1 n !l C,l F ^ U '! ftei y:r tie,lt - S °; ,aß ™ offc «'»»Vieri« ^nt. sogar über - 
ka ere J rd beben Näheres zu erfahren. Deshalb wurden aus dem benutzte,, 
MaU ml, das einige zehntausend Beben umfaßt, kurze Auszüge zu renalen 
^ logen zusammengestellt und gleichsam als Stichproben hier veröffentlich 
Umfangreiche, wenn auch- selbstverständlich keineswegs erschöpfende LiWatu 
nachweise dienen zur Ergänzung. 1 

Als Grundlage wurden einige (JueUemverke mit Erdbebennaehrichten au. 

n ZT , n eilUtZt; ihle NeimUDg erfo1 ^ bloß - Stelle. Schon 

n Iteiturn »oll lMmetnus aus Kalatia einen Erdbebenkatalog verfaßt haben 
D e bekannteren ) unter den mittelalterlichen rühren von Lvcosthkn.s, R «um 
»mtther und Berniiertz her. Bis mindestens zur Mitte des vorigen Jahr' 
-Hier s stutzten sich alle Untersuchungen über ältere und älteste E„b .! n 
, C)g u- ? , K ' f A - V ° N H0Ff2 »' lr ™ Statistik erweiterte Alpajk 

I XImT I 1 u ,FC r Za,Ü r iche ^^^richte*) und regionale Erdheben- 
kataloge ) in denen allerdings das Beobachtungsmaterial zum Teil recht kritik- 

MV? Fvc^l' V V 1! e i Jahre l 18(m - 1885 U » d d - Welt sanunelte 

• | L ÜU1 1 cbe. Erdbebennachrichten. Die umfangreichste und erschöp- 
ends e Samm hing älteren Materials, die hier Verwendung fand, ist die band- 
«liehe Enlbebenehronik von B. M. Lehsci«) ; sie bietet nicht allein ein r 
/auerlassige Kritik der Datierungen, der nachstehend fast stets gefolgt wurde 
mid überhaupt des Materials, sondern ermöglichte vor allem LltNifc 
Lücken der anderen Quellenwerke auszufüllen. Weitgehende Auskunft über 
che geschichtlich bekannten Vulkanausbrüche und über zugehörige Erdbeben 

] ) ( 1 . Lycosthknks, Erodigioruni ac ostentoruni chronicon. Basel EV>7 
. . I • Ra,<or von W,ni>iss. Von den Erdbiden, evn grundlicher Bericht. Ba<el 
,„ ~rv " El,TIIK ^ K ompendium terrae inetuuin. Strasburg HiOl. M Bf,-n 
HMnz,lerrae m otusdasistevn grundlicher Berieht von don Erdbeben. Nünihcr, hVl (i 

bis .s^^n"^ uT* r, T ,ik dprErdb <*™ ^HlVulknnau.brürheCUtiU v.Chr 
bis 1S32 n.Uir.), r leil 4 u. f>; I.e. AUAhn ] S40/1 S41. 

;i ) A. I'errkv, Notes sur les tremblements de lern- (lKf>(> -1S71M in Bull de 
lAead. Royal de Beige in Brüssel. ' <k 

') Veröffentlicht in versehiedenen Zeitschriften und A k.-.deniieberieht en 
•') < . 0. Ferus, Statistik der Erdbeben von ISüf, 1885 Sitzber ne.th 
naturw. Kl. der Akad. Wien, 1885. ,n « 1,h - 

°) Ü. M. Lnpsru, Erdbeben-Chronik für die Zeit von 2.'üi2 v. <<l.r h\< !SU7 I)!,. 

Handschrift, endend mit 181)7, wurd, von, Res,,,,,, dem f ,)/,,'. 
1 s e eorolog.ehen Observatoriums in Aachen, Prof. Dr. P. Pous. ,1er Rciehsanstalt 
,,H K, < lh <^^'^,ung m Jena in dankenswertester Weise als beilege überlas , 



.Die Hilfsmitffd der Erdhebengeographie 



cm 



gibt der Katalog von K. Sapplu*). rnübertrefflieb als Materialsammluna für 
Seebeben und submarine Vulkanausbrüche ist die Zusammenst elhnm \ (m 
E. Rudolph 2 ). 

(Jegen 1S8D begannen die Fadbebendienste verschiedener Länder ihre ver- 
dienstvolle Tätigkeit). Seit 181)7 veröffentlichte John jHilnjs*) halbjährige 
Berichte über seismometrisehe l^estimmungen von Pebenherden, wozu das 
Stationsnetz der British Association for tbe Advanecnont of Seienee das Ro- 
obachtungsmaterial lieferte. Von J SM « ab erschienen die makro- und mikro- 
seismiscdien Weltkatalog e r ') der k aise r lichen Haupt Station für Krdbebenforschung 
in Straßburg und des damit verbundenen Zentralbureaus der Internationalen 
Seismologisehen Assoziation, die 11)04 von (J. (Ilrland ins Loben gerufen worden 
war. Nach ihrer Auflösung und Ursetzung durch die Seismologische Abteilumr 
der lunon Ceodöshpie et ( Jeoph ysique setzte IL ILTi'unkr«) die Bearbeitung 
der nukroseismisehen Weltkataloge fort. 



F a'Fengebirgsland 




A. Sieberg 

Eig. 4n;i 

tbundtvpen <ba .Regionaltektonik 



S 1SI. Das tekloiiisehe Welthild bringt in den lumtigen \ erschiedenheiten 
des Aufbaus gleiehzeitig die Summe aller früheren tektonisehen Durchbewe^ungen 
der betreffenden Fadi indenstücke zum Ausdruck. Denn die tektonische Ein- 
passung von (iesteinssehi(diten in einen kleineren Raum durch Faltung r I\)t- 
faltung und Bruehdislokat ion verursacht entsprechend engere l^ckung und zu 
nehmende Verfestigung des Materials. Umgekehrt hängt es wiederum von der 
(.estemsmolnhtät ab, wehdie Dislokationsform die tektonisehe Kraft zustande 
bringt: Faltung erfordert die größte Mobilität und Ihiicfolishknlhm setzt Tot 
faltung voraus, die sogar so weit -eben kann, daß keine tektonisehe Kraft mehr 
zur \eranderung des ( Jesteinsve, bandes ausreicht. Dementsprecdiend ergeben 
sich die nachstehenden Cnnultyp, »<) der lhyionallektonik (Eig.dOS), die sich and. 
Fk/404 La,lds( ' haftsfonilrn an^pt-Mjron. Ihre geographisehe Anordnung zeigt 

M K . Sappl iL K.italog der gvsrhicht liehen VulkMunusbrüche. St.ra Bhur.r du; 
, nY V ul }H \']^ Ul ^ zm ' <i<^.pl,ir der tätigen Vulkane. Zeits.hr. f. Vullotnol.. 

o . od, I : ri u / I ; 1 1 / . 

-) E. Rudoppii. I. e. 

• l ) Näheres in A . S, Handhnrh der Erdbehenkunde. IL aunsch weif I {10 t 
) J. Miial Lnvular issued by the S.äsmologieal ( «on.mi t tee, in den Brit"\^oe 
Reports. 

5 ) Die makroseisnüseln-n KaLdog<. wurden benrbeitef von E. Renoir,, p ()„ 
noNTL A.LumsTFASKN- nnd ( L /, km ka no,n , E. Sn,,,-. R.Ea.s nnd A.Snnouu; 
<he nnkroseisnusehen von K.Tam<. E. Rosln , u \ r und S. S/,, : , in , )rn;1 vmi ' 

L. KlÜ MllAC,,. 

,; ) H. IL Trn\i;i:, The internal ioual seisnudn.-'i«-;, I smnmMt v 

7) A " S "-'»-»'»f:. «b'ologisel,,. Einführung in dir I Imphv.ik Ion Me> 7 
E. Rf.v«ulao. (ie„logi.el,e K a 1 1 e der lade. 1 1> R|;0trr I: \h Mill. Ii- Hin i,n 
Kr^eueiuen l)egritfcn. 




'JJ "'<■ Hillsi, litte! ,1,., K, l |lM.|, ( . 1 m,.,, u , !1 |,!,i,. (|() - 

a) Alle Masse,, stellen das Jlöehstmaü ,1er Verlest ie,,,,,, ,|ar Ihre K,| 
d,e ,„, , a„ e ,1er Zeit zahlreiche H,,l,ae„ir,ske,te„ aufs e„,ste „ei„, ,„,,., 
]w«kti, <lu- Dmehsohwannung mit Maumaint, „sionen „,„l ,1er Iha-h,,, ,1er Kit. 
vbn.mg .uehoren meistens schon ,1er voralcronkisehen Zeit an. Ile,„e hilden Vi,, 
d.e *w rrA,*„| f , „„gehe,,,,-. selnvael,«elli«e Wiehe,, ans | •reesteh, 
(.nunten. <.„e,sen ,u„l sonstige,, metan.orphisehen ( iesteinen in engster Palt,,,,-.' 
f>.e s.nd so anlieror, entlieh starr, daü in, allgemeinen höchstens ihr,. | : ,T 
gehiete von liriiehdislokat ion hetroffen «erden. 

Teilo'lhlr ^"""''T V<M '" a l ten t" ^^^^V^- IX-n sie hilden jene ' 
Jede alt, , Massen. d.e vorhergehend nnter den Meeresspicue! »erietc,, „ml sieh 
m.t «rn.-ht.gon Tafeln horizontal uelaeerter Sedi„,,.„tges,oh,,. h, ,1,, iVh-n 

c) R„,npf C ebirge sind die niedergehohelten liesfe palaozoiseher Cehirm- 
dte anel, hente „oel, die Umgeh,,,,, gehirgi, üherragen. Sie umden „,„., 
verloiT. ,,nM,, " ,,slokn,i " n lst »eduehend z.nr üahe gekomme,,, z.nn, Ted soga! 

d) l'.rnehsehollenlander „.„fassen die Cehiele paläozoische, stelle,, 
we.se and, s. el.e tertiärer Kalt,,,,,, in denen die Kaltensi . an„e sieh ^ 
we.se an den Ramien, von Kernn.assiven „„lauerte,,, .lede jmmere In, < „ ^ 

erste, fte du- al eren < h-steinsfahen, his endliel, Totfalt,,,,,; ,Me Rei m 
I>n.el,d..s|,,l,,t ,on horheifiihrfe. I ),,s < d,erflar|,e„hil,l Iaht den K-,l(e,,ha„ ,i 
,r,e ,r erkennen Vielmehr entstanden ans den vertikal ^aneinander hewe 
Scholen vor alle,,, Hn^jMnj, sowie weite En,!, „ . wahrend si 

;; ,,f ^' ^ r«>w (U „-« a„iha„<,.„. »„ A , (l „„, 

angeschnitten wurden. ~ u " ' 

e) Kalteneehiresländer zeigen ,„„■!, an der Krdoherflaehe angesprochen 
1- Itenhn,,. B„,„lel von „.ehe „der .„Inder eleichgeriehlete,, Indiek L„ - 
oft von lloe.,geh,r f ,.ha, : akter. ziehen sieh „„-ist hogenfhrmi, dahin, his "\ ,' 
o. t weder alhnahheh verhere,, oder his sie dnrel, \ erwerf„,,e versenkt „n,l ah , 
Schmiden werden Zahlreiche Palt engehiree knüpfen sieh „,it SdVirn.ie 5 
g.eden, „ ,e < :„.| iul ,lo,, !lnpil)m „lor ,„,,„. sil „, wjp ,>,„,.„,„,,„,,, ^ ' „ 
(Virgafion, Scharling „der (Jehiresknoten). M 

Die rallen,ehi,ee sind die jiinesten IVodnkle der F„H,,m,. Sie w„r,|en 

znsnnnnennestanehf ans der tiefm, S „,e„, f,,||„„, der , 

7"*'''"".' 1 ^'„.nehn die die jeweils ,„ Q U -n Streifen 

er Krdr.nde darstellen. T,,,tzde,n sind „„„„-he Ahsehni, ,e der , . 
ka tnngs .„der he,e,.s ,,,/,,,/„„„ ,„„, Iinlrhll M ,, t jim leihv , is ." 

gmBen. Ans.aahe anhein.eefallen. da» sie in der «!,«,„„,„., «-klonisch „■ 
grap , seh ,„,,! se.sn, seh ,/,„ :„„ ,,,/„„ / „,„„■„ 

' •! /'"^ U< l" f; ' ! "-''< '-'■LI,.. z,„ werden, so dal.! die ■„, .ich 

Ä„!?;;:;'; , 3 i : ,s l " ; " t ""- 1 -" - — — - 

f) Anfsehh.tnnestiefland,.,. sind, oft his z„ nrol.ier Maehtiekei, ,„i, 
Loekennassen nidgefiillt Ihre tektonisehe Stell,,,,, ist reehl versehieden • | 

iS;;:;!;:,,:;: 1 ,: 1 ,;:;;. w - M M - k«......- 

g) Die Meere z.eieen sowohl im eanze,, .,| s ,„„.,, im „j,,,,.,,,,,, ,„,„. v 

s l„e,l,.„ar,,een l!a„. der „ „ l.ierde,,, . wie „,,,, ,|e, Verlodh.n, .,„,.,.,, ,,,, WasJ.,- 

O ne «,.,,,.,,, verstandlieh ist. Ie.,,,,„ ,n„ s ,ri„e„ wird. Z„, Kf , .. 

S,re,tf,n,ne„ venna, ( |„. Krdhehen,,,,,,., phie |-,ei,,,„e z„ liefe,,,; si „ ^n„ ,„ 
der eegehenen Stelle oeh,,,ehl «erde... 



A. Sieberg: Erdbebengeograpliie 



Ii) Die mediterrane und die zirkumpazif ische Zone haben für 
das tektonisehe ebenso wie für das seismische Weltbild ganz besondere Bedeu- 
tung. Denn an sie ist das jüngste Wirken der Oogenese gebunden, sowohl die 
tertiäre Faltung als auch die nach der Totfaltnvtj hauptsächlich im Quartär ein- 
setzende Bruch Dislokation samt dem Vulkanismus. Diese beiden schmalen Zonen 
bilden zwei größte Kreise der Erdoberfläche, die einander unter einem Winkel 
von etwa 23° schneiden. Ihr schematiseher Verlauf ist aus Fig. 4<>1 ersichtlich. 



Kapitel 'M) 

Europa 

Obgleich im festländischen Europa die Erdbeben bei weitem nicht die Rolle 
spielen wie in manchen anderen Erdteilen, brachten es die Verhältnisse mit sich, 
daß wir über seine Erdbebentätigkeit ganz besonders gut unterrichtet sind. Oerade 
die ältesten Kulturländer Europas, die Randgebiete des Mittelmeers, zeichnen 
sich durch häufige und folgenschwere Erdbeben aus. Infolgedessen beschäftigten 
sich schon die Naturphilosophen des klassischen Altertums recht eingehend mit 
dieser Naturerscheinung, teils durch Aufzeichnungen und Beschreibungen, teils 
duich theoretische Überlegungen über die möglichen Ursachen. So ist es denn 
nicht zu verwundern, daß die Erdbebenforschung überhaupt von hier ihren. 
Ausgang nahm. Auch die späteren Chronisten haben zahllose wertvolle Erd- 
bebennachrichten hinterlassen, von denen allerdings noch viele der .Bekanntgabe 
harren. Als besonders wertvoll erwies es sich, daß im letzten Viertel des ver- 
flossenen Jahrhunderts allenthalben mit der Einrichtung von besonderen Erd- 
bebendiensten begonnen wurde und daß außerdem die tektonisehe Erschließung 
des Kontinentes schnell voranschritt. Diesen Vorarbeiten verdanken wird die 
Möglichkeit, mit einem sonst nirgends wieder erreichbaren Orade von Zuver- 
lässigkeit ein geschlossenes Bild der Erdbebentätigkeit von Europa zu ent- 
wickeln. 

§ 185. Allgemeiner rberblick. Europa ist der jüngste unter den Kontinenten. 
Seit der Trias bildete es einen Archipel nach Art der heutigen Malayischen Insel- 
welt, dessen Zwischenräume ganz allmählich durch Hebung des Sockels trocken- 
gelegt wurden. Infolgedessen kam die heutige Oestalt erst in aller jüngster Zeit, 
im Diluvium und teilweise sogar erst im Rostdiluvium zustande, wobei neben 
Rahlings- vor allem weitgehende Bruchdislokation d;is ganze Bild überarbeitete. 
Das Antlitz Europas zeigt als Ergebnis der Entwicklungsgeschichte nachstehende 
Orundzüge 1 ), die sich auch im Bilde der Erdbebentätigkeit mehr oder minder 
deutlich widerspiegeln. 

Den Kern des Kontinentes, H. Stitj.es 2 ) Ureuropa, bildet die Skandinavisch- 
Russische blasse aus kristallinen und zum 'Teil algonkisch gefalteten Oesteinen. 
die allerdings bloß im Baltikum offen zutage liegen. Hierher gehören auch die 
Hebriden samt Inseln der europäischen Arktis, vor allem Spitzbergen und Orön- 
land. Ealtungszonen. die im Laufe der Zeit von Norden nach Süden vorrückten, 
gliederten dem Kerne immer neue, aus marinen Oeosvnldinaltrögen empor- 

') A. JmiLiri'soN, Kuropa. 3. Aufl. Leipzig J!)2S. A. 1 1 i/i j n kr. Kampa. Leipzig 
11)07. S. vo\ BenNoKF. (leologie von Europa; im Krseheinen begriffen, Berlin seit 
K»2(>. Vgl. auch überall im folgenden die .Darstellung von A . Roi:\ in Bd. 2 

des | Inudburhes. 

-) II. Stii.lk. ( iiundfrauen der vergleichenden Tektonik. Berlin l!CM. 



11] Kuropa ( .( )7 

gestauchte Landmassen an. Die Rolge davon ist in der ganzen Westhälfto ein 
Aufbau, dessen Streichriehtungen im großen und ganzen von Südwesten nach 
Nordosten verlaufen. 

Die kaledonisehe Faltung im oberen Silur schuf Raläoeuropa, nämlich das 
\\estskandmav.sche Hochland, fast die ganzen Britischen Inseln samt Nord- 
deutschland. Der herzynischen Faltung im M i< tolkarhoti verdankt lUesoeuropa. 
seine Entstehung. Ihm gehören die armorika nischen Oehiroe der Iberischen 
Meseta. der Süd* est halbinsel Englands und von Westfrankreich, sowie die 
variszischen Oebirge an. die sich vom Innern Fi ankreichs cdTiWTmTT- und Mittel- 
deutschland bis zur Weichsel hinziehen. Alle diese paläozoischen Faltenzüge 
waren bereits weitgehend abgetragen und durch BruchzerstückeJung in Schollen- 
land aufgehist, als nach (asten Ansätzen während der oberen Kreide hauptsäch- 
lich im Oligozän und Miozän die letzte, die alpine Faltung einsetzte. Diese 
girlandenförmig verknüpften Faltenketten Südeuropas besitzen wegen ihres 
geringen Alters auch heute noch I loohgebirgscharaktcr. Nach der Totfaltumr 
im Diluvium und noch später, wirkten sich die gebirgsbildenden Kräfte in Bruch- 
dislokationen gewaltigsten Ausmaßes aus. So (Mitstanden vor allem, von Westen 
nach Osten fortschreitend, die Einbrüche der Mittolmeerbeoken deren Tiefe 
stellenweise 4000 m erreicht und selbst übersehreitet. Dadurch wurden manchen- 
orts d.e I^altenketten derartig zerrissen, daß heutzutage die verschiedenartigsten 
\ ersuche umstritten werden, die Fndcn miteinander zu verknüpfen 1 ). Auel, das 
Innere von Europa erfuhr bei dieser (Gelegenheit neue Bruchdislokation teils 
durch Wiederbelebung alter, teils durch Aufreißen neuer Spalten. 

Hierfür wollte 0. R eo elmann 2 ) die Schubwirkung der Alpenfalten ver- 
antwortlich machen. Im Oegensatz dazu betrachtet Sikher^) die Keilwirkuno 
bei der \ ersenkung der Mittelmecrsohollen, namentlich der Ägäischen und der 
Jonischen, als das gestaltende und ruhestörende Element. Nach ihm streben 
den von Norden vorrückenden Wellen der Erstarrung des Kontinentes von Süd- 
osten und Süden her Wellen der Zertrümmerung, der Beweglichmachuno- ent- 
gegen. Demnach wäre sowohl das tektonisehe wie das seismische Bild Europas 
das Abbild der Jnterf-cnz beider Wellensysteme, der Frstarrung und der Zer- 
trümmerung, ausgenommen den höchsten Norden, wo die niedersinkende Seholle 
des Europäischen Nordmeeres eine ähnliche, wenn auch im Frfolg ganz erheblich 
bescheidenere .Kollo spielt als das AI it tehneer. In diesen Oedankcngamr paßt 
vortrefflich derjenige von W. Deecke. der alles, was zwischen den fundamen- 
talen Kontinentalblöcken des Nordens. Ostens und Afrikas liegt, mit einer 
Reibungsbreceie im großen vergleicht. 

Die Orundzüge von Furopas Frdbobcntät iokeit geben sich aus Tab. 128 zu 
erkennen. Dazu ist jedoch folgendes zu bemerken. Weil die Berichterstattung 
aber gefühlte Erdbeben in Europa einer ganz besonders hohen Prozentsatz aller 
hier vorkommenden Frdbeben umfaßt, kann die alleinige Berücksichtiguuo der 
Bcbenhaufigkeiten leicht zu dem Trugschluß führen. Europa nehme hinsieht lieh 
der Erdbebentätigkeit die erste Stelle in der Welt ein. Erst das Oesamtbild 
des makro- und des mikroseismischen Beobaeht ungsmaterials vermittelt die 
Erkenntnis, daß und wieweit Europa hinter anderen Weltteilen zurücksteht. 

J ) IKSriLi.i-, Eber eiiropäisrh-zentralasiatisrlie ( iel.iruszusanonenliäinn« <; (> 1- 
tinger Nachr., inatli.-pl.ys. Kl., KC2S. < lesrhirld lirher RüekMirk und neue \ 
Micke m \\ . v. Skioi itz. Diskordanz und Oogenese der Cehin-e an» Mijtelm.-er 
]?ei Ii ii 

2 ) C. Kr.o i.M \nn. f'lMr Köthel, en und llerdlinien h> Süibv v«\ d-uNrhla nd 
Jahresli. \ er. f. vatei l. N a t urkuode i,, WürHomber«:. | »mit. 

:t ) A. Sinmaa;, hie \ o? lueit nnu der KnN>oben |<e>:>. 



r 



A. S i c 1) e rg : Erdbohcngeographie 



[98 



c) Südspnradcn 

11*2 v.Chr. Zerstörung von Ast y palän auf Kos. 

:>.">K Zerstörung der Stadl Kos und des Asklepios- 1 1 eiligt ums durch ein Enlhehen. 

Dann verheerende Seismische Woge. 
14*13, August. IS. Zerstörendes Erdbeben auf Kos. besonders zu Antünaohhi. 

Naranga. Killi, Kunos und Kephalos, sowie auf den Johanniterhurgen 1»H 

Kephalos und Paläa- Antimaohia : einige r rote. 
1S(U), April. 18. Zerstörendes Erdbeben auf Symi, einige Tote. Schäden auf 

Rhodos und Kalymnos. His nher Smyrna und Urussa hinau< gefühlt. 
1K73, Februar, 1. Zerstörendes Krdhehen auf Samos, besonders ; ,uf der Ost- 

l' älftc '^'V • y. j l l llrow ' lir. T,>Ov \V/ntln„ ,»-.,f l.U 



er Insel ; zahl r eiche Toter — wen Inn geliihl 
1S73, .Juni, 2. Auf Nisyros großes Erdbeben, dem die Bildung eines Kraters mit 
Auswurf von Sehlacken folgte. Häufige, zum Teil kräftige Erdstöße I»is zum 
.lahresende. 

1S82. Mai, 17. Ein Erdbeben auf Karpathos. 

\\H)l. August. II. Zerstöreudes Krdhehen auf Samos. besonders zu Cliora und 

Tigani. mit Felsstürzen, (iefühlt bis Athen und Sue*. Vgl. Kig. Y.\] 
\.\) k 2i\. Februar. 8. Auf Kos Zerstörung von Antiinaeliia. Schwach auf Kalymnos 

und Rhodos verspürt. 
BhJt», März, 18. Auf der Insel Castellorizo Zerstörungen durch ein Beben, das in 

Makri und Denisli schwächer, ferner bis Adalia. Syrien. Kairo und Kreta gefühlt 

wurde. 

d) Küsten- und Hellcspontinscln 
1888, im August. Auf Lesbos zerst ("neu des Erdbeben, öuu Tote. 
H>72, Mitte April. Kräftiges Schadenbeben auf Tenedos; das Scliiit t ergebiet 

reichte bis über Kos und Santorin hinaus. 
1845, Oktober. 11. Zerstörendes Erdbeben auf Lesbos. namentlich im Nordwesten. 

Iiis Konstantinopel gefühlt. 
18r> ( ,>. August, 21. Auf linbros zerstörendes lieben mit großem Sehnt t ei gebiet, 

bis über Konstantinopel und Saloniki hinaus gefühlt. 
1SU7, März. 7. Schwere Zerstörungen auf Lesbos. Ein Tote, mit Schiit t en-ehiet 

bis Konstant inopel. Saloniki und Fuhöa. Vgl. Fig. 13 1 . 

1K8K April. Ib Verwüstendes Erdbeben auf Ellies, 4181 Tote, besonders auf der 

Ost seito. droßes Schüttergebiet. 
IStW, .Januar. 28. Schweres Erdbeben auf Sainothraki mit Seismischer Woge auf 

der Nordseite und au der thrakischen Küste. (iroßos Schiit t ergebiet 



efühlt. 



Kapitel Iii 

Asien 



<)9] Asien 7s: , 

$ l»S. Allgemeiner Ebel blick. Asiens gedrungene, t rapezförmige Masse 
wird durch den Eral von Fairopa und durch den 2<M>ü m Tiefe überschreitenden 
Einbruch dos Koten Meeres von Afrika getrennt, obwohl Arabien mit Ealästina- 
Syrion und die vorderindischo Halbinsel Dekkan nach toktnnisehom Aufhau und 
geologischer ( Jesehiehte afrikanischen Charakter zeigen. Anderseits muß zu 
Asien die ganze Inselwelt des Malayischen und des Ostasiatischen Archipels 
gerechnet werden, weil sie (hau Kontinent a Ibloek angehört und noch i„i Alt- 
tertiär landfest war. 



Da Europa im ( irnndo genommen eine Halbinsel der asi ai i^- hon K 



ont inental - 



Sowohl der asiatische Kontinent als auch die zugehörige Inselwelt zählen 
nach Häufigkeit und Stärke mit zu den Haupterdbebengebicten. Den uralten 
Kulturen des vorderasiatischen, indischen und ostasiatiseh-chiuosi<elien Kreises 
verdanken wir zahlreiche Erdbebenberiehte. die bis in die entlegensten Zeiten 
zurückreichen. Dagegen sind Krdhehen Inner- und Nordasieus erst für die neuere 
Zeit bekanntgeworden, zum Teil sogar bloß durch seismomet rEHie Registrie- 
rungen. Das vorliegende Beobaeht ungsmateria I . so lückenhaft e< auch ist. ge- 
währt uns wertvolle Aufschlüsse über die Erd bebent ä t igkeit vor allem jener 
Eegcnden, wo der Schlüssel wichtiger Probleme liegt. Für weite Echicto spür- 
liebster Besiedlung im Norden muß schon aus dem Aufbau geschlossen werden, 
daß Erdbeben dort fast keine Kollo spielen. 



masse ist, finden sich hüben und drüben verwandte Züge 1 ). Den Erkern bildet 
die Nordasiatischo Masse, die allerdings bloß zwischen" denissoi und Lena frei 
zutage liegt : sonst ist sie mit Tafel- und jungem Schwemmland überdeckt. Vom 
Ural her, im Turanischen Becken begraben, und vom Sajanisclobaikalischen 
Gebiete her nach Süden erfüllen paläozoische Faltengebirge ganz Inner- und 
den größten Teil Ostasien«. Enter dem Einfluß der tertiären ( Jebirgsbildung 
erfolgte hier weitgehende Bruchdislokation und Auflösung in Scholleuland, die 
ihren Höhepunkt am Baikalsee und in den gewaltigen Beckenlandsohafteu luner- 
asiens erreichte, während Ostasien staffeiförmig gegen den Pazifischen Ozean 
niederbrach. Die tertiären Ealtengehirgsstränge des Mediterranen Kreises durch- 
ziehen den Süden des Kontinents von Kleinasien und de fn Kaukasus her 2 ), 
scharen sieh im Pamir, setzen sieh im Himalaya nach Hinterindien fort und er- 
füllen die Sundainseln. Weite Oebiote dieses jungen Falf ungslandes, nament- 
lich Kleinasien, Armenien und Iran im Westen, die Sundainseln im Osten wurden 
nach der T.dfaltung durch Brnehdislokat ion in ein (iewirr von Hoch- und Tief- 
schollen umgestaltet. Im Süden brandeten die Tertiärfalten an einer alten, 
starren Kont inentalscholle. dir E. Srrss als ( Jond wanaland bezeichnet hat. Als 
Rest des im Indische" Ozean vorsinkenden Cond wa nala ndos sind in Asien die 
Halbinseln Dekkan und Arabien erhalten geblieben. In den östliehon Sunda- 
inseln stoßen die Tertiärfalten des Mediteiraneu Kreises auf diejenigen des 
Zirkumpazifisehen Kreises. Von diesen Faltenkotton ist das meiste" durch 
jüngere Brnehdislokat ion im Pazifischen Ozean und seinen Bandmoeron ver- 
schwunden, so daß bloß die- Ostasiatisehen Insolroihon als zum Teil vielfach 
zerbrochene Horste den Fluten entragen. Die als (bähen hezeiehneten Tiofsoe- 
rinnen an der Außenseite der ganzen asiatischen Hisel weit und gleichzeitig des 
Kontinontalblooks zählt Snoiuua : :{ ) im Hinblick auf deren Erdbobont ät igkoit 
mit zu den gewaltigsten Verwerfungen, die wir überhaupt auf der Welt kennen. 

Über die (Jrundzüge von Asiens Erd hehent ätigkoit gibt Tab. 147 Aufsehluß. 
Sie läßt die starre Masse dos Nordens sowohl wie das Innere der Halbinseln 
Arahien und eines Teiles von Dekkan frei. Die übrigen Abschnitte des Konti- 
nentes weisen Beben aller Art auf, darunter auch recht zahlreiche (iroßbeben. 
während Welt beben spärlich auftreten. Im Süden werden die Oroßheben schon 
mehr durch Mit t clbeben ersetzt-, zu denen sich infolge des dichteren Stations- 
netzes bekanntgewordene Kleinbobonherde gesellen. Oanz besonders lebhaft 
gestaltet sieh aber die Erd hehent ä t igkoit in der gesamten Inselwelt sowie in den 
zwischengelagerten Moorosboeken und vor allem in den vorgelagerten Tiefsee- 
gräben. Besonders in letzteren wimmelt es geradezu von Oroß- und Weltbebeu- 



') W. Sil vi i-. Asien. 2. Aull. E 
of Asia . London l!)g<). 

-) Vgl. auch II . S i Ii. i.i . I Im r e 
hänge, < Millinger Naelir.. niat h.-pli \ -s. 

:! ) A. Snunum. I he Verbreitung 



p/ig inut. 

ropä i-c!i /en 1 1 
|(|;>S 

rdb- '-«.,, . . 



.1. W. ( öoeoin . The s| i U( .j i, n 
da i'il i^clic ( i(d»irg</u<ano 



Icr ! 



fW) \. Sieberg: Krdbebengeog rapide 

beiden. Abgesehen von »Im Philippinen und vielleicht von einzelnen Ccgmidea 
davas ist nichts bekannt, was auf Kinsturzbeben schließen ließe. Aushruchs- 
behen sind auf der ganzen Kontinentalmasse gleichfalls recht selten, spielen aber 
in der gesamten Inselwelt eine um so erhehliehere Holle. 

§ .MW. Die Nonlasialischc Masse unifaßt den ganzen Norden des Kontinentes 
Nom Ural und dem Kaspischen Meer his zum Balkaseh- und Baikalsee <owie 
den (Jehirgen Ostasiens. Allergrößte Bodenruhe zeichnet diesen weiten k>d- 
räum aus. 

a) Der Auf hau 1 ) . Den ältesten Bestandteil nicht allein Asiens, sond e rn 

der jranzen Welt bildet die Sibirische Masse, eine ;}()<» \ < Ii i< > ]U bohe Hochfläche 
ans algonkisch gefaltetem Archaikum zwischen .lenissei und Lena, Östlich davon 
dehnt sich paläozoisch gefaltetes Tafelland aus. Im Westen aber ist die junge 
Senke des Turanisch-westsibirischen Tieflandes mit jungem Schwemmland 
erfüllt. 

b) Die f>dbebentätigkeit 2 ) bleibt vollständig auf die südlichen Hand- 
gebiete beschränkt. Die ebenso seltenen wie sehwachen Erdstöße, die aus jener 
Zone bekannt sind, entstammten nachweislich mittelasiatischen .Herden. Jeden- 
falls konnten bis jetzt Erdbebenherde weder makroseismisch noch mikroseismisch 
nachgewiesen werden. Lediglich im Bruchfeld der Nordenskiöldsec. das zwischen 
Uhatanga- und Lenamündung auch auf den Kontinent übergreift, hat Iv T.\ms 3 ) 
vier Mittel- bis Großbebenherde instrumentell gefunden: zwei davon liefen 
submarin zwischen Kap Tseheljuskin und den Neusibirischen Inseln, die beiden 
anderen in der ( •hatangabucht und am Unterlauf des Olenek. 

§ 200. Das haiknliscH-sajniuschc Schollenlaml umgibt hufeisenförmig den 
Süden der alten Masse. Biuchdislokat ion zum Teil gewaltigen Maßes ruft zahl- 
reiche Beben schwerster Art hervor. haust urz beben sind nicht bekannt, 
Ausbruchsbeben bloß ganz vereinzelt. 

a) Der Aufbau 4 ) zeigt Rümpfe kaledonisch gefaltete!- Gebirge, so die 
Ketten der Kirgisensteppe, von Tarbagatai, Altai, Changai, Tannu-ola. Sajani- 
nischem (Ud)irge und Jablonoigebirge. Guter dem Einfluß der tertiären ( Jebirgs- 
bildung kam es zu ausgedehnter Bruchdislokation. Vor allein entstand durch 
Scharling zweier (bähen das Riesenbecken des Baikalsees, des tiefsten Binnen- 
sees der Erde; denn sein Spiegel liegt 4(>2 m über dem Meere, der bisher ermittelte 
tiefste Punkt des Grundes JIM Ii m unter dem Meere. Südöstlich da.wm bildete 
sich ein ganzes System von rostartig nebeneinander gelagerten Gräben und Hoisten, 
aus deren Rändern sich eruptive Massen ergossen. Die wichtigsten unter diesen 
baikalisch streichenden Gräben sind der Uda- Witim-Graben an der unteren Sselenga 
mit den beiden .jüngst erloschenen Vulkanen Obrutschew und Muschketow. der 
sehr große Ghilokgraben und die kleineren Gräben am Unterlauf des Ingodo. an 
der Schilka und am Argun. Auch in der Wüste Gobi, deren alte Falten nur als 
niedere .Berg- und Hügelreihen aus dem alles verhüllenden Schutt emporragen, 
spricht mancherlei für das Vorhandensein von Gräben und Senkungszonen. Im 
Süden, wo die baikalische Hichtung zur satanischen umbiegt, entstanden kleine 

') W. A. Oiuu rsciaiw. Ceologio von Sibirien. Kortschi. d. Ccol. u. Paläont 
lieft 15. Berlin. I»2<>. 

-) Haupt<|uelle für ganz Nord- und Inneraden sind der Krdbebenkat ;ih><r von 
MrsriiKKiow- < lin.ow sowie die .Jahresberichte in den Si t zungsbei ich < en der Ständigen 
Russischen Krdbehenkommission in St . Petersburg. 

:; ) K. Tams, Krdbebcn im Cehiet der Nordenskidld See, Beit r. z. < i eoph \ s 

it. nn'T. 

') K. Sri-. Das Antlitz der lade. III. Hand. 



101| Asie 



Tabelle 1 tT 

Die Ki dbebenl ät igkeit Asiens (( 1»;m n ktoi Klassen S.5<»0) 





Mittlen 


.1 ahresh; 


ufigkeit 




Höchst e 






1er Krdb. 


beu 


Za hl 


Cha 


1 i * \\ f (\ 11 \ < ( * \ H 1 i l ' t \ \ ' i i i r r 
1 ' « » * ' ' I 1 1 > l IM I I \y \ In/, 






regi- 


der 


raktra 
kla-e 




gefühlt 


gefühlte 


strierte 


Herde 


(* vei- 






s(dl\veie 








; seh w ere 




eiiizetT ) 


Nordasiat ische M:i«c s;unt 












Nordensk iöld- See 


1 2 


y 


0.2 


5 


4 5 


Haika lisch -sajaniseliesScImlh uland 


tu 50 


\ 5 


\ 


2t > 


5 !; 


Minin'Kl-ll |<i-hn 1 i I - 1 1 i • 1 i 1 w w * 1 - . . . 

i Hin i < i > 1 - \ i t > * im Ii! \\\ \\*\\k\\\ x \\ 


75 


2 :t 


1 5 


:?o 


5 ! 


Arabische Tafel samt Rotem Meer 


ver- 


ga nz vit 




10 


4 + ;,f 




einzelt 


ei nzelt 








Paläst inendsches Schfdlenla nd 


v> - 


o. 1 


, 


15 


4 5 


Syrisches Schollenla nd . 


2 5 


0. 1 




15 


4 5 


Mesopot amien . . 


ver- 


ganz v er 


> 


s 


4 




einzelt 


einzelt 








Klfi!ia<i tt i<(dies S(diellenla nd . 


20 25 


1 


0,0 


10 -4 5 




Anneni < lies Schollenland 


25 IU) 


l\ 




50 


5 


Kaukasus 


5 in 


ver- 


> 


10 


1 






einzelt' 








lianisclies Sclinllenla nd 


25 .an 


| 




:5o 


1 V 


Ostiranische Randketten .... 


in ir> 


1 




15 


4 5 


Tibetisches Hochland 






0.2 


i 




Hiinalava mit Randbruch 


20 25 


•> 


o.t; 


10 


5 (! 


Indo-ga nget ische Niedern ng 


in 


0.5 


0. 1 


5 


5 


thidscharat und Sind 


5 in 


II ° 


0| 


X 


5 o H ' 
\ ! - 


Dekkan- Rumpfscholle mit Ceylon 


2 :] 


0. 1 


o. 1 


Mi 


Assain-Scholleu 


10 


o.:? 


0.2 


4 


(i 


Hintei indische Kelten 


10 


0.2 


0.4 


!) 


5 (c ,: 


Sü(lchinesis(dies S< a l'f'el la nd 


10 50 






1 OD 


5 (i 


Ma misch arisch -och otsk i sc Ii es 












Staflelland . 


:{ 




I 


5 


5 


Andainaiaai und Nikobai'en 


5 in 


ganz ver 


0.5 


4 


5 l\" 






ei nzelt 








Bornco. Masse 


f 


0.2 


0.2 


r> 


2 :\ 




75 


2 




u 


5 U 


Mentawoi-I oaben 






l 1 » f 


IS 


5 (1 


Java 




I 


> 1 1 


35 


5 


Sunda-Craben 






i ' l 


15 


5 


Kleine Sundainsehi 


20 25 


0.-5 


o.l 


20 

2 


5 (>■ 

5 


Sunda-Sec . . . 




) 


o, 1 

1 


handa-See 






12 


5 (i 






0..'5 


o.l 


Mi 


5 41* 


.Molukken- See mit Sangir- und 












TalautdiKcIn . . 


1 o 20 


0.5 


o. t 


10 


i; 




r.o 70 


1 


1 


10 


5 0* 
5 i; 


(Viehes- See 






0. 1 


s 


Makas^ei Straße ' 






o.l 




5 1) 


Mindanao .... 


50 


0.7 


1 




5 (>* 


Minden» und Vba va-dn^eln 


10 


o.a 


1 


:?5 


1 


huzon 


ISO 


0. / 


1 


50 


5 U 


Philippinen ( ; ra Ih m 








15 •><> 


5 t ; 



788 A. Sieberg: Erdbebengeographie [102 I 



Tabelle 147 
Die Erdbebentätigkeit Asiens (Fortsetzung) 





Mittlere Jahreshäufigkeit 




Höchste 




der Erdbeben 


Zahl 


Cha- 
rakter- 
klasse 


Tektonische Provinz 






regi- 
strierte 
schwere 


der 




gefühlt 


gefühlte 
schwere 




(* ver- 
einzelt) 














Suhl- See 




0,1 


0,1 


5 


♦J — o 


Formosa mit Meer .... 


75 


2 


2 


15 


4—5* 


Riu-kiu 


40 — 50 




0,5 


3 




Kiuschiu 


50 


0,3 


1 


] i 


A K* 


Seliikoku und Seto-Utschi . . . 


50 


7 


1 , D 


8 


n* a* 

o — o 


Chiugoku 


25—30 


0,2 


0,5 


7 


4—5* 




150 


1 


1 


7 


5—6* 


Nord-Nippon mit Fossa magna . 


350 


2 


2 


33 


5—6* 


Hokkaido . . . 


40 


0,4 


1 


8 


4* — 5* 


Japan- Graben .... 


? 


\ 


5 


26 


5—6 


Sachalin 


1—2 


ganz ver- 
einzelt 


0,1 


3 


4—5* 


Kurilen 




f 


0,7 


3 


5 


Kamtschatka mit submariner 












Kinne 


10—20 


1 


0,8 


11 


5—6 


Insgesamt 


1700 


35—40 


50 


850—900 





stark abgerundet 



meridional verlaufende Brüche, wie derjenige des Sees Kossogol. Sajanisch 1 
streichende Brüche erfüllen vor allem das gewaltige Seental zwischen den Ge- | 
birgen Tannu-ola, Changai und Altai, darunter die Gräben des Ubsanor, Argunor, 1 
Atschitnor, Durganor und des Dsapschyn. Der östliche Changai bricht Staffel- | 
förmig nach Süden ab. Zwischen Altai und Tarbagatai ist der große Irtysch- § 
graben eingesenkt. Beide Gebirge sind auf der Südseite durch gewaltige Staffel- 1 
brüche gegen das gewaltige Senkungsbecken der Dschungarei begrenzt. 1 
b) Die Erdbebentätigkeit (Tab. 148, Fig. 432) wird infolge der kultu- 1 
rellen Verhältnisse bloß zu einem verschwindenden Teile bekannt 1 ); selbst vom i 
Vorkommen mancher Großbeben gaben lediglich die seismometrischen Registrie- 1 
rungen Kunde. ° m 

Tabelle 148 1 
Wichtigere Erdbeben der Baikalisch-sajanischen Länder I 
1700, im Sommer. Kräftiges Erdbeben zu Nertschinsk. ] 
1720, Dezember, ? Bei Mörgön in der nördlichen Mandschurei drei Erdbeben. 1 
Ihnen folgte bald darauf, Anfang 1721, im benachbarten Vulkangebiet Ujun- 1 
Oholdongi ein Ausbruch, der innerhalb mehrerer Monate einen 240 m hohen 1 
Schlackenkegel aufbaute. Ein neuer Ausbruch 1722 schuf nahebei einen 45 m 1 
hohen Kegel. m 
1771, August, 8. Im Sselengadelta zerstörendes Erdbeben, vor allem zu Possolsk. 1 
Gefühlt bis Kjachta und Balagansk. M 



J ) Vgl. auch P. Krcmarik, Die Erdbeben des Baikalgebietes. Nikolsburg, 1905. 



103] Asien ^go, 

1779, August, 1. Schadenbeben in Irkutsk und Umgegend; bis Balagansk und 
Sselenginsk gefühlt. 

1783, Januar, 17. Schadenbeben in Barnaul, weithin im Altai und am Irtysch 
gefühlt. 

1800, August, 8. Zerstörendes Erdbeben in Krasnojarsk. Der Jenissei warf 
Wellen aufs Land. 

1814, September, 3. Zu Tunkinsk zerstörendes Beben, kräftige Schäden in 
Schiniki. 

1820, März, 7. Abermals zerstörendes Erdbeben in Tunkinsk, Schäden in Turansk. 

Am letztgenannten Orte dämmte ein Bergsturz den Irkut ab. 
1824, September, 2. In Nertschinsk ein kräftiges Erdbeben. 

1828, August, 17. Ein Schadenbeben in Kultuk. 

1829, März, 8. Zerstörendes Erdbeben in Irkutsk mit Bergsturz am Irkut; 
Schäden bis Schimki und Turansk. Gefühlt bis Nischne - üdinsk und Nert- 
schinsk. Zahlreiche Nachbeben. 

1856, April, 12. Zerstörendes Beben am Gussinoje-osero (Gänsesee), dessen Eis- 
decke zerbrach; in Sselenginsk Schäden. 

1861, Juni, 23. Ein kräftiges Erdbeben rief Seismische Wogen auf dem Gänsesee 
hervor. 

1862, Januar, 10. Schweres Erdbeben in der Zagansteppe östlich des Sselenga- 
deltas, mit Uferabbruch von 260 qkm. Das Zerstörungsgebiet reichte bis Kabansk 
und Urik bei Irkutsk, das Schadengebiet bis über Werchne - Udinsk, Sselenginsk 
und Irkutsk hinaus. Gefühlt bis Urga und Nertschinsk. 

1871, März, 4. Im Sselengadelta schweres Erdbeben, besonders an der Bolscherje- 
bucht, zu Possolsk und zu Kabansk. Bis über Tulun hinaus gefühlt. 

1898, Juni, 19. Kräftiges Schadenbeben zu Kusnezk, gefühlt bis Barnaul und 
Tomsk. 

1902, April, 12. Schadenbeben zu Murinsk und Snjeshnaja. 

1903, März, 12. Erdbebenzerstörungen leichterer Art in Kusnjezk, Schäden bis 
Titowo und Biisk, großes Schüttergebiet. 

1903, Mai, 16. In Minussinsk Schadenbeben. 

1904, September, 28. Kräftiges Schadenbeben zu Perejeninaja, Tankhoj und 
Umgegend, mit großem Schüttergebiet. Am zuletzt genannten Ort großer 
Uferabbruch und Spaltenbildungen. Heftiges Seebeben auf dem Baikalsee, 
auf Dampfern und von Tauchern in 8 m Wassertiefe verspürt, wobei der Wasser- 
spiegel unbewegt blieb. Fische, die bloß in großen Wassertiefen vorzukommen 
pflegen, trieben in großen Mengen tot an der Oberfläche. 

1905, Juli, 9. und 23. Schwerste Erdbebenzerstörungen und Felsstürze im öst- 
lichen Tannu-ola zwischen Lutschnaja Gora und Bisebirelty. Weites Schaden- 
gebiet. Das riesige Schüttergebiet ließ sich bis zur Angaramündung und Bobrowsk 
am Irtysch nachweisen. 

1905, September, 9. Zu Tunkinsk kräftiges Schadenbeben. 

Hauptherdgebiet ist der Doppelgraben des Baikalsees: eine Sage berichtet 
sogar, dort seien in alter Zeit Völker durch Erdbeben aus ihren Wohnsitzen ver- 
trieben worden. Von seinen mindestens fünf Großbebenherden gehören vier 
dem Südgraben an, dessen landfeste Fortsetzung überdies den Großbebenherd 
von Tunkinsk birgt. Am regsten betätigten sich die Herde des Sselengadeltas, so- 
wie die Mittelbebenherde vom Gänsesee- Sselenginsk im Uda-Witimgraben 
und bei Kjachta im Chilokgraben. Im Jablonoigebirge sind Kleinbebenherde 
in der Gegend von Tschita und von Nertschinsk zu suchen. Die südliche Verlänge- 
rung der Nertschinsker Störung trifft auf das nordmandschurische Vulkangebiet 
Ujun-Choldongi bei Mörgön, unweit der Kyrylunmündung in den Kulunsee, das 



790 



A. Sieberg: Erdbebengeographie 



[104 



unter Erdbeben 1721-22 tätig*) war. Ein Weltbebenherd befindet sich im öst- 
lichen Tannu-ola zwischen Lutschnaja- Gora und Bisebirelty, vermutlich in der 
Fortsetzung des Ubsanorgrabens. Der Jenisseihorst weist zwei Herde auf bei 1 
Kansk und bei Krasnojarsk; trotz Zerstörungen am zuletzt genannten Ort scheint 
Mittelbebencharakter nicht erreicht zu werden. Die Schäden zu Minussinsk und f 
Abakansk rühren von einem Mittelbebenherd her. Der Mittelbebenherd von 
Kusnezk am Tom deutet darauf hin, daß auch die Synklinale des dortigen Kohlen- ' 
beckens von Bruchdislokationen betroffen worden ist. Die hierdurch hervor-^ 
gerufenen Schäden reichen bis zum benachbarten Herdgebiet am Ob, das nicht^ 
weit von Barnau l l ie gen d ü rfte . Der Mittelbebenh e rd von Syrjanowsk am Ho rst 
des Narymskigebirges leitet hinüber zum Irtyschgraben, der bei Ust-Kamenogorsk 
und bei Semipalatinsk träge Herde harmloser Erdbeben aufweist. 




Fig. 432 

Die Erdbebentätigkeit der baikalisch-sajanisehen Länder 



§ 201. Die hmerasiati sehen Gebirgsländer umfassen die 1700 km breite 
Landfläche von der Dschungarei bzw. dem Ala-tau bis zum Tibetischen Hoch- 
land. Auch hier erlitten alte Faltenketten in junger und jüngster Zeit außer- 
ordentlich weitgehende Bruchzerstückelung, so daß hier trotz unzulänglicher, 
Berichterstattung sehr viele Herde schwerer Erdbeben festgestellt sind. 

a) Der Aufbau 2 ) wurde angelegt durch W—O streichende Faltengebirge 
paläozoischer Entstehung, die von Norden nach Süden an Alter abnehmen. 
Durch die tertiäre Gebirgsbildung, die den Himalaya schuf, wurden sie ohne 



x ) J.K. Wtssloucii, Der vulkanische Bezirk ITjun-Uholdongi in der nördlichen 
Mandschurei. In russischer Sprache, Investiya Kuss. Geogr. Ges. 47. 1911. 

2 ) K. Leuciis, Zentralasien, Handh. d. Kegion. Geol., Heft 19. 191(5. — 
M. Friederichsen, Forschungsreise in den zentralen Thian-Sehan und dsungarischeu 
Alatau 1902. Mitt. Geogr. Ges. Hamburg, 20. 1904. — W. A. Obrutschew, Das 
Kalbinskigebirge im westlichen Altai in omographischer und geologischer Beziehung. 
Peterin. Mitt. 1913. — G. Merzbaciier, Die Gebirgsgruppe Bogdo-Ola im östlichen 
Thian-Schan. Abb. Bayer. Akad. d. Wiss., math.-pliys. KL, 27. .München 1916. 
— F. Machatschek, Landeskunde von Eussisch-Turkestan. Stuttgart 1921. — 
D. J. Muschketov, Geological Map of Central Asia. St. Petersburg, 1928. 



105] 



Asien 



791 



^Rücksicht auf den Faltenverlauf durch Bruchdislokationen in größtem Umfang 
zertrümmert und in ein Haufwerk von Einbruchsbecken und Horsten aufgelöst ; 
sogar im Quartär betätigten sich diese Bewegungen noch lebhaft. 

Zwischen dem Einbruchsbecken der Dschungarei und dem Graben des 
Issykkul erhebt sich bis zu 5000 m Höhe das Schollengebirge des Ala-tau mit 
dem Iiigraben. Südlich vorgelagert ist der devonisch gefaltete Thian-schan 
(Chan-tengri 0950 m), der im Westen fächerförmig auseinander strebt. Auch 
er erfuhr weitgehende Bruchzerstückelung, vor allem durch die Becken von 
Ferghana, Kasch-Kunges, Yuldus und Pritian-schan. An stark mit Querbrüchen 




Fig. 438 

Die Erdbebentätigkeit Innerasiens 



• vergesellschafteten Längsbrüchen sinkt der Rand des Gebirges zum ungeheueren 
tertiären Bruchfeld des Tarimbeckens ab. Der Südrand des Alai wird vom Pamir 
.gleichfalls durch Bruch getrennt, seine ganze Nordhälfte senkt sich staffeiförmig 
gegen das Ferghanabecken ab. Auch der mittlere und östliche Thian-schan bricht 
•in Staffeln zum gewaltigen Tertiärbecken der Dschungarei nieder: außerdem 
/ist der ganze Nordrand durch Gräben und Horste zerhackt. Der Peschan im 
Osten ist ein Horst. 

Von untergeordneter Bedeutung, obwohl auch in ihnen Bruchtektonik eine 
große Rolle spielt, sind für uns der Kwen-lun, der -ganz Mittelasien bis zum 
§113. Längengrad durchquert und von dem viele Ketten 5— 0000 m, die Przewalski- 
"kette über 7000 m erreichen, sowie das Tibetische Hochland (4000 5000 m). 

b) Die Erdbebentätigkeit (Tab. 143. Fig. -133), soweit wir von ihr Kennt- 
nis haben, bleibt auf den Nordwestabschnitt Innerasiens einschließlich der Ab- 
bruche gegen das Tarimbecken beschränkt. Aus den übrigen Gebieten lietren 



792 



A. Sieberg: Erdbebengeographie 



[106 



erst ganz vereinzelte Ergebnisse seismometrischer Registrierungen vor, von 
denen wir allerdings für die Zukunft noch manche wertvollen Aufschlüsse er- 
warten dürfen. 

Tabelle 149 
Wichtigere Erdbeben Innerasiens 
171(>. Fast gänzliche Zerstörung von Aksu. 

1808. Februar, 4. Zerstörendes Erdbeben in Taschkent, 15 Tote. Geringere 
»Schäden in Chodschent. Zahlreiche Nachstöße in Taschkent. 

1887, Juni, 9. Wjernyi zu zwei Dritt e ln z e r s tört; g e g e n 800 Tot e . Zahlreiche 
Bergstürze töteten angeblich 1000 Kirgisen. Wiederholung am 16. Dezember. 

1896, im Sommer. Zerstörendes Erdbeben in Tasch-Kurgan. Weithin im Thian- 
Schan gefühlt. 

1902, August, 22. Zerstörungen in Kaschgar, drei Dörfer in der Nähe fielen dem 
Erdbeben zum Opfer. Nicht unbedeutende Verluste an Menschenleben. Zahl- 
reiche Nachstöße. 

1902, Dezember, 16. Zerstörung von Andishan und zahlreichen Dörfern; mehr 
als 4500 Tote. Bodenspalten, Erdrutschungen und unbedeutende Bergstürze. 

1905, September, 26. Heftiges Erdbeben bei Chotan. 

1906, März, 2. Schweres Erdbeben in der Gegend von Jarkent. 

1906, Dezember, 22. Zerstörendes Erdbeben in Kopal mit weitem Schüttergebiet. 
190 7, September, 15. In der Gegend von Osch zerstörendes Erdbeben. 

1907, Oktober, 21. Schwere Zerstörungen mit Felsstürzen zu Karatag und 
Kafiringan, geringere zu Samarkand und Pendschikent, Schäden zu Katta- 
kurgan sowie bis Taschkent und Buchara hin. Im ganzen etwa 120000 — 15000 
Tote. 

1908, Januar, 31. Zerstörendes Beben besonders zu Grosnoje; schwere Schäden 
in Aulie Ata. 

1911, Januar, 4. Schweres Erdbeben im nördlichen Thian- Schau zwischen Wjernyj 
und dem lssyk-Kul, 450 Tote. Zahlreiche Bodenumgestaltungen größten Aus- 
maßes. 

1924, Januar, 4. Zerstörung von Ura-töpe und zwei Nachbardörfern; 83 Tote. 
Erhebliche Bodenspalten. 

Einen ganz besonderen Reichtum an Mittel- und Großbebenherden weist 
das vom Syr-darja durchflossene Ferghanabecken auf; Taschkent, Namangan, 
Osch, Margelan, Chodschent, Ura-töpe, Samarkand und Kattakurgan, vor allem 
aber Andischan 1 ) werden in der Erdbebenliteratur häufig genannt. Berüchtigte 
Großbebenherde liegen auch auf dem Hissarbruch bei Karatag und auf der 
Pandschstaffel. Dem Herd von Irkeschtam auf dem Alaisüdbruch scheint keine 
besondere Bedeutung zuzukommen. Im Thian-schan gehören dem Horst der 
Alexanderkette die Herde von Grosnoje und von Pischpek-Tokmak an. Be- 
sonders lebhaft betätigt sich der Großbebenherd von Wernyi 2 ), der nördlich 
vom Issyk-kul auf dem Abbruch des Kungei-Ala-tau-Horstes gegen den Trans- 
ilensischen Ala-tau zu suchen ist. Verhältnismäßig harmlos verhält sich der 
Kuldschaherd im Iiigraben, während der Abbruch des Ala-tau gegen die Dschun- 
garei bei Kopal wieder einen Großbebenherd trägt. Die Brüche des Tarbagatai- 
gebirges besitzen bloß untergeordnete Herde, so bei Sergiopol, Urdschar und 



x ) Tu. Tsciiernyschew, M. Bronnikow, V. Weber und A. Faas, Das Erd- 
beben von Andishan am 3./16. Dezember 1902. Mein. Comite Geol., N.S., Nr. 54, 51. 
Petersburg, 1910. 

2 ) J. Muschketoff, Das Erdbeben von Vernyi vom 28. Mai 1887. Mein. Comite 
Geol., X. St. Petersburg, 1890. — Gh. Boodanovitoii, J. Kark, B. Korolkow und 
D. MouriiKETOW, Tremblement de terre du 22 decemhre 1910 (4 janvier 1911) dans 
les distriets septentrionaux duThian-ehan. Ebenda, N. S., Nr. 89. St. Petersburg, 1914. 



107] 



Asien 



793 



Tarbagatai. Aus dem Innern des Thian-schan ist ein Herd bei Narynsk bekannt. 
Herde schwerer Erdbeben weisen die Randbrüche des gewaltigen Tarimbeckens 
auf. Außer den Großbebenherden bei Kaschgar 1 ), Aksu, Jarkent und Chotan 
wurde seismometrisch ein weiterer nahe dem Ostende unter rund 95° ö. Gr. 
ermittelt. 

§ 202. Die vorderasiatische Tafel mit Arabien, Palästina, Syrien und Meso- 
potamien bildet auf asiatischem Boden ein Stück der gewaltigen Saharatafel, 
das im Jungtertiär durch den Einbruch des Roten Meeres von Afrika getrennt 
wurde und im Osten an die tertiären Faltengebirge stößt. Trotz großer Beben,- 
armut weiter Gebiete weisen jene Gegenden, deren Landschaftsformen weit- 
gehende Bruchdislokation erkennen lassen, eine viel stärkere Erdbeben tätig - 
keit auf als bisher geglaubt wurde; selbst Großbeben gehören keineswegs zu 
den Seltenheiten. Einzelne vulkanische Ausbruchsbeben sind überliefert und 
Einsturzbeben möglich, wenn auch noch nicht nachgewiesen. Das Gesamt- 
bild zeigt, daß der Einbruch des Levantinischen Mittelmeerbeckens, der wiederum 
mit den Einbrüchen des Roten Meeres und des Persischen Golfs in engstem Zu- 
sammenhang steht, die Erdbebentätigkeit bis ins Einzelne bestimmt hat. 

a) Der Aufbau 2 ). In dem von der Karpasohalbinsel Cypern* herüber- 
reichenden Amanusgebirge auf der Südseite des Alexandrettegolfs branden die 
steinernen Wogen jüngster Faltung an einer alten, starren Scholle. Diese ist in 
Syrien- Palästina von Kalktafeln bedeckt, denen sich stellenweise Sandsteine zu- 
gesellen. Mit 100 m hohem Steilrand bricht das syrische Steppenplateau bei 
Akabat el-Higasije gegen die arabische Sandebene ab. Jedoch tritt der kristalline 
Kern im Süden der Sinaihalbinsel sowie vor allem in den westlichen, die Küsten- 
ebene um 2000 — 3000 m überragenden Randgebirgen der Arabischen Halbinsel, 
die an Brüchen zum Roten Meer absinken, frei zutage. Innerarabien nimmt das 
Hochplateau des Nedjed mit 700 — 1200 m Höhe ein. Der alpinen Gebirgsbildung 
gegenüber verhielt sich die vorderasiatische Tafel starr bis auf die Randgebiete, 
wo ein schmales Übergangsgebiet im Nordwesten leicht gewellt, alles übrige weit- 
gehend zerbrochen, gehoben und gesenkt wurde; diese Bruch tektonik klärte 
Blanckenhorn weitgehend. So entstand zwischen den als Gräben zum Teil sehr 
tief versenkten Längsbrüchen des Roten Meeres und des Persisch-Omanischen 
Golfs sowie dem Querbruch des Golfs von Aden der Horst der Arabischen Halb- 
insel 3 ). Auf den zum Teil staffeiförmigen Bruchschollen des Hedschas brachen 
die vulkanischen Harras durch, die zum Teil noch in geschichtlicher Zeit tätig 
gewesen sind ; auch bei Aden befinden sich junge Vulkanruinen. Die Sinaihalbinsel 
wird begrenzt von den Gräben der Golfs von Sues und von Akaba. Letzterer, ein 
Nord -Süd -Bruch, entwickelt sich nach Siebergs Ansicht bei Luxor aus dem 
Niltal und setzt sich auf asiatischem Boden rund 1000 km weit in dem Großen 
Syrischen Graben 4 ) fort. Teilabschnitte des letzteren bilden das Wadi el-Araba, 



1 ) K. v. Lisakowski, Das Erdbeben von Kaschgar vom 9. /22. August 1902. 
Das Weltall, 4. 1902. 

2 ) M. Blanckemiorn, Syrien, Arabien und Mesopotamien. 17. Heft, Handb. 
d. Region. Geol. Heidelberg 1914. — Derselbe, Geologie Palästinas nach heutiger 
Auffassung. Zeitschr. Deutsch. Palästina-Ver. 1931. — E. Krenkel, Geologie 
Afrikas. 1. Teil. Berlin 1925. — W. v. Seidlitz, Diskordanz und Orogenese . . . am 
Mittelmeer, 1. c. 

3 ) B. Moritz, Arabien, Studien zur physikalischen und historischen Geographie 
des Landes. Hannover 1923. 

4 ) AV. v. Seidlitz, Grabentäler und Bruchzonen in Mitteleuropa und Vorder- 
asien. <\ H. XV. Int. Geol. Congr., Südafrika 1929. 



794 



A. Sieberg: Erdbebengeographie 



[108 



das Tote Meer mit dem Jordantal oder Rör (Fig. 434), zwischen dem Libanon 
und dem Antihbanon die Bikaa l ), die Senke von Horns, das Rab und der Mamsell- 
graben. Dazu gesellen sich Querbrüche, von denen die Jesreelebene 2 ) und in 
ihrer Fortsetzung das gewaltige Wadi Sirhan Transjordaniens, das Kebirtal sowie 
der von Cypern herüberstreichende Orontesgraben beiAntakije die bekanntesten 
sind. Zahlreiche Vulkangebiete, so Dscholan, Nukra und Ledscha zwischen dem 
liberiassee und dem Hauran, begleiten vor allem den Ostrand des Syrischen 
Grabens. In Mesopotamien, dem weiten Stromland von Euphrat und Tigris 
brechen die oberkretazischen, eozänen und miozänen Schichten des nordsvrischen 
■la tellandes st a ff e iförmig g e gen Südos te n und zum Persischen Meerbusen ab 
Auf der Linie von Hit am Euphrat bis Beled am Tigris setzt das Oberland mit 
einem 100 m hohen Steilrand*) gegen das Unterland ab. Letzteres ist mit jungen 




Fig. 434 

Das Tote Meer mit dem Jordangraben (Rör) 

Anschwemmungen der beiden mesopotamischen Flüsse, mit Schlamm und Sand 
erfüllt Das Delta schiebt sich, jedenfalls infolge fortschreitender Senkung des 
-Persischen Golfs, ungewöhnlich schnell gegen das Meer vor. 

b) Die Erdbebentätigkeit. Das umfangreiche Beobachtungsmaterial 
ist m zahlreichen Schriften zerstreut und erfordert sehr kritische Durcharbeitung 
Letzteres gilt auch für den noch recht unvollständigen Erdbebenkatalog für 
I alastina- Syrien von G. L. Arvanitakis 4 ), auf den sich B.Willis 5 ) größten 
teils stützt. In neuerer Zeit beschäftigt sich das Libanon-Observatorium zu 
Ksara 6 ) eingehend mit Erdbeben der dortigen Gegend. Das von Sieberg nach 
Studien im Lande abgeleitete Bild der Erdbebentätigkeit unterscheidet sich 
zum Teil grundsätzlich von den bisherigen Anschauungen, die mehr auf Grund 
von theoretischen Überlegungen als an der Hand des Beobachtungsmaterials 
gewonnen worden waren. 



) C. Diener, Libanon, Grundlinien der physischen Geographie und Geologie 
von Mittelsyrien. Wien 1886. - G. Zumoffen, S. J., Geologie du Liban. Paris 1926. 

2 ) L. Picard, Zur Geologie der Kisehonebene. Zeitschr. Deutsch. Palästina -Ver 
1928. - Derselbe, Zur Geologie der Besanebene. Ebenda 1929. *' 

3 ) E. Banse, Der arabische Orient. Leipzig 1910. 

4 ) G. L. Arvanitakis, Essai sur le climat de Jerusalem. Bull. Inst Kevntien 
Cairo 1903. ' ^l UUiU - 

IS 192S 3AILEY WlLUy ' Earth< l«akes in tbe Holy J^aiKl. Bull. Seismol. Soc. of America, 

6 ) II. P. Bekloty 8. J., Annalen des Observaloriums in Ksara (Libanon) 
Section Scismologique. 



109] 



Asien 



795 



Tabelle 150 

Wichtigere Erdbeben der Arabischen Halbinsel 
497. In Arabien sehr große Erdbeben. 

031. Erdbeben in Arabien, vielleicht im Zusammenbau«? mit den vulkanischen 
Ausbruchserscliemungen bei K hei her im gleichen .Jahre. 

640. Einem in Arabien weiter ausgebreiteten Erdbeben, das in Medina und Um- 
gegend besonders kräftig auftrat, folgten vulkanische Ausbruchserscheinungen 
bei Suankije. " 

S67. Ein kräftiges Erdbeben mit Felssturz zu Mekka. 

JV ahrscheinlich 10. Jahrhundert , gegen Ende. Au s bruch d e r Harra Er- Hifa nord- 
westlich von Jembo. 

Ende 1131 oder Anfang 1122. Ein Erdbeben beschädigt die. Haupt, nosci.ee zu 
Mekka. 

1166. Lavaerguß bei Medina nach vorbereitenden Erdbeben. 

1253. Großer Vulkanausbruch bei Aden. Erdbeben sind nicht erwähnt, dürften 
aber nicht gefehlt haben. 

1256 Anfang Juli. Einer Reihe von Erdstößen zu Medina, die am 6. Häuser zum 
Einsturz brachten, folgte am gleichen Ta<te im benachbarten Wadi Scheta ein 
Vulkanausbruch. Seine Wolke blieb fünf Tage lang sichtbar; ein Lavaerguß 
erfüllte die laier der Nachbarschaft. 

1400, Februar, 20. Erdbeben in Yemen mit Zerstörung von Städten in der Gebirgs- 
gegend. s 

1681, . im Juli. Ein Erdbeben, das auch in Medina gefühlt würde, zerstörte zu Mekka 
Hauser und eine Moschee. 

1845, Oktober, 31. Aus dem Gipfelkrater des Inselvulkans Tair im südlichen 
Koten Meer stieg weißer Rauch auf. 

]lf> August, 14. Auf dem Roten Meer geriet ein Schiff durch Seebeben in Gefahr. 

1»84, Anlang Marz. In der Gegend von Maskat und Nedjed zerstörte ein Erdbeben 
neun Dorfer; gewaltig klaffende Bodenrisse. Weithin am Persischen Meer- 
busen gefühlt. 

Die Erdbebentätigkeit der Arabischen Halbinsel (Tab. 150) hatte bis jetzt 
keine Beachtung gefunden; um so mehr überrascht das neue Bild (Fig 435) 
Nicht die Längsspalten des Roten Meeres, die sich aus einem System paralleler 
btatlelgraben und Staffelhorste zusammensetzen, beherbergen die Hauptherde 
sondern SW-NO verlaufende Querbrüche. Für die ganze Nordhälfte des Hed- 
schas sind keinerlei Erdbebenberichte bekannt geworden. Erst Medina meldet 
schwere Beben, die zum Teil vulkanische Ausbruchsbeben in den benachbarten 
Harras waren: jedoch ist auch ein submariner Großbebenherd tätig. Ein weiterer 
.Großbebenherd im Roten Meer, nahe der tiefsten Einsenkung von mehr als 2350 m 
beeinflußt Mekka, wo hin und wieder Zerstörungen eintraten. Hier handelt 
es sich um Verwerfnngsbeben. Ein Mittelbebenherd liegt irgendwo im Jemen 
vermutlich auf dem Gebirgsabbruch gegen die Küstenebene Tihamma. Seine 
Einzeichnung erfolgte ganz willkürlich, um ihn überhaupt zur Darstellung zu 
bringen. Möglicherweise spielt hier auch das als Querbruch großen Ausmaßes 
verdachtige Wadi Dauasir eine Rolle. Übrigens zählen nach Moritz alte Sagen 
die Erdbeben mit zu jenen großen Naturkatastrophen, die zwischen 150 und 
000 n.Chr. in Yemen und in der Sandwüste des Südens den Untergang ganzer 
Volksstamme herbeigeführt haben sollen; man könnte dabei an die Verschüttuncr 
von Wasserstellen denken. Für das Vulkangebiet von Aden, das 1253 einen Aus! 
brach hatte, wird das Vorkommen von Erdbeben zwar behauptet, aber nicht 
belegt Das Zusammentreffen der Bruchzonen des Roten Meeres und des Golfs 
von Aden legt die Annahme von tektonischen Beben nahe: aber der Ausbruch 
des lairvulkans deutet auch auf die Möglichkeit von AusbruchsM.cn bin 
Andere Beben Westarabiens sind nachweislich Ausstrahlungen von afrikanischen 



796 



A. Sieberg: Erdbebengeographie 



[110 



namentlich abessinischen Erdbeben gewesen. Für die bekannt gewordenen Beben 
in Ostarabien, vor allem <bei Maskat, muß der Einbruch von Omangolf und 
Ormusstraße als Erreger angesehen werden. 

Palästinas Erdbebentätigkeit machte schon auf die Israeliten derartig tiefen 
Eindruck, daß sich manche Stellen des Alten Testamentes mit dieser Natur- 
erscheinung befassen. Eine in ihrer Kürze und Anschaulichkeit packende Schil- 
derung eines Erdbebens mit Felsstürzen (hüpfende Widder und Lämmer), Seis- 
mischer Woge des Toten Meeres und dadurch bedingter Wasserstandsänderung 
des Jordan gibt der 114. Psalm. Vor allem aber berichtet die Sage u. a. von 
Ereignissen71irel)ereits durch die Bibelerklärer als ErdbebeiT erkannt^ wenn auch 
nicht immer richtig gedeutet worden sind. Siebergs Deutungsversuche 1 ), die sich 
zum Teil auf Studien an Ort und Stelle stützen, enthält Tab. 151. Dadurch kommt 
beim ältesten Erdbeben, das wir überhaupt kennen, dem Untergang Sodoms 2 ) 
sowie bei der Gesetzgebung am Sinai 3 ) die unerfüllbare Forderung eines tätigen 



^ WÜSTE NE 

Kheiber 




Fig. 435 

Die Erdbebentätigkeit des westlichen Arabien 



Vulkans (C. Diener) oder der Entzündung brennbarer Erdgase durch Blitz 
(M. Blanckenhorn) in Fortfall. Die neuartige Erklärung des Durchgangs 
durch das Schilfmeer, das nicht mit dem Roten Meer identifiziert werden darf 
(Schleiden 1858), unter Mitwirkung einer Seismischen Woge wird durch Beob- 
achtungen von Strabo am Sirbonischen See gestützt. 

Tabelle 151 
Alttestament liehe Erdbeben 

Gegen 2000 v. Chr. Am Südende des Toten Meeres versank die Osthälfte des 
heutigen Djebel Usdum (Sodomsberg) samt dem Tal Siddim an einer Verwerfung; 
Erdbeben dürften dabei nicht gefehlt haben. Vermutlich durch eine Seismische 
Woge ertrank ein Teil des fliehenden Heeres der Könige von Sodom und Gomorrha. 

Kurz vor 1900 v. Chr. Ein Erdbeben zerstörte im Schwemmland der Sebcha- 
Niederung am Südende des Toten Meeres die Städte Sodom, Gomorrha, Zeboim 
und Adama, wobei verschüttete Herdfeuer die Trümmer in Brand setzten. 
Zoar, wohin sich Lot rettete, auf dem festen Fels des moabitischen Gebirgs- 



x ) Die an sich belanglose Datierung erfolgte zum Teil auf Grund der Zeittafeln in \ 
E. Kautzsch, Die Heilige Schrift des Alten Testaments. Freiburg i. Br.— Leipzig 1894. : 

2 ) Glaubhaft lokalisiert und, bis auf die Feuersbrunst, richtig gedeutet wurde i 
das Ereignis von M. BlanckeniIorn, Das Tote Meer und der Untergang von Sodom 
und Gomorrha. Berlin 1896. 

3 ) Wühlt ein Sturm die namentlich in den Schluchten angehäuften Sandmassen 
auf, dann hüllen diese die Berge in gewaltige Sandwolken ein. Dabei entstellen, 
vor allem beim Chamsin, je nach dem Sonnenstand leicht Beleuchtungseffekte, die 
an den „Rauch eines Schmelzofens" erinnern. 



im 



Asien 



797 



banges gelegen, blieb unversehrt. Die Sage von Lots versteinertem Weib geht auf 
Salzsäulen von auffälligen Formen zurück, die sich durch Verwitterung am 
Djebel Usdum auch heute noch bilden. (I. Mosis 19.) 

1220 v.Chr.. im März oder April. Als beim Auszug aus Ägypten die Israeliten 
das ., Schilfmeer", den heute Sebcha Bardawil genannten Sirbonischen See, auf 
der Nehrung durchschritten hatten, die die Lagune gegen das Mittelländische 
Meer abgrenzt, vernichtete eine von den dort nicht seltenen Seismischen Wogen 
"das nachdrängende Heer der Ägypter. (II. Mosis 13.) 

1220 v.Chr., im Sommer. Zur Zeit eines von lautem Getöse begleiteten Erd- 

Berge Sinai, der im Granitgebirge oder in der Kalksteintafel der Sinailialbinsel 
zu suchen ist. (II. Mosis 19.) 
Nach 1218 v.Chr. Schweres Erdbeben mit Herd im Bruchgebiet des Djebel el- 
Makrah verschuldete bei der Oase Kades Barnea den Untergang der aufrühre- 
rischen Rotte Korali unter Dathan und Abiram. (IV. Mosis 12 und 16.) 
1180 v.Chr., im Frühjahr. Der Sog einer Seismischen Woge des Toten Meeres 
legte vorübergehend die Jordanmündung trocken, als die Israeliten mit der 
Bundeslade vom Moabitischen Hochland (Transjordanien) niedergestiegen 
waren. Als wenige Wochen später ein Erdbeben mit lautem Getöse, den Po- 
saunen von Jericho, auf dem westlichen Bruchrand des Jordangrabens die Mauern 
von Jericho umgeworfen oder wenigstens schwer beschädigt hatte, vermochten 
die in Palästina eindringenden Israeliten unter Josuas Führung die Stadt zu 
erobern. (Josua (5, 20.) 
Oege n 1100 v. Chr. Etwa um die Zeit von Simsons Tod zerstörte ein Erdbeben 
die Philisterstadt Gasa samt dem Dagontempel, wobei viele Menschen umkamen. 
(Richter 10, 20—31.) 
Gegen 1040 v. Chr. Häufigere Erdbeben mit zahlreichen Toten in der Ebene 
Schephala und am Gebirgshang, als die Philister den Israeliten bei Aphek die 
Bundeslade fortnahnien. Das Dagonbild im Tempel zu Asdod fiel zweimal um 
und zerbrach. (I. Samuelis 4.) 

1020 v. Chr. Schreckenerregendes Erdbeben im Bergland von Judäa, als während 
Sauls Krieg Jonathan das Philisterlager bei Michmas überrumpelte. (I. Sam. 13.) 
856 v. Ch r. Ein Erdbeben zerstörte die Mauern von Aphek und begrub 27 000 Mann 
unter diesen, als Ahab dort die Syrer unter Benhadad von Damaskus schlug. 
Wahrscheinlich war es das gleiche Erdbeben, das der Prophet Elias am Berg 
Sinai verspürt hatte auf seiner Flucht vor Jesebels Rache wegen der Tötung der 
Baalspriester. (I. Könige 20 und 19.) 

Gegen 745 v. Chr. Unter der Herrschaft des Königs Usia in Palästina und Trans- 
jordanien schweres Erdbeben; angeblich mehrere tausend Tote. Am ÖlbergW— O 
verlaufende Spalte, Erdschlipfe im Hinnomtal, sonst im Lande zahlreiche Fels- 
stürze. (Zacharias 14, Arnos 1, Josephus Antiqu. Jud. 50, 2.) 

•Gegen 730 v.Chr. Jesajas redet von einem Erdbeben in Judäa, anscheinend auch 
in Moab, mit großen Zerstörungen, Erdspalten und vielen Menschenopfern. 
Vielleicht bloß drohende Prophezeiung. 

Häufig gehören Abschnitte von Palästina und Syrien zum Schüttergebiet 
von levantinischen und vorderasiatischen Beben, selbst in manchen Fällen, 
wo bis jetzt der Herd im Lande selbst angenommen worden war. Die Erdbeben 
einheimischen Ursprunges (Tab. 152, Fig. 43b u. 438) gehen von Herden (Fig. 437) 
aus, die in engsten Beziehungen zur Bruchtektonik stehen, aber zum Teil in 
völlig anderer Weise als bisher geglaubt wurde. Vor allem ist das H6r, das ganz 
allgemein als Hauptherdgebiet galt, in eine recht untergeordnete Stellung 
zurückgedrängt worden. Das hat unter anderem die erste genaue Kartierung 
eines großen Palästinabebens an Ort und Stelle, desjenigen vom 11. Juli 
durch Sieb Eiiu (Fig. 438) bestätigt. Die auffallendste Herdzone bilden die Brüche 



798 



A. Sieberg: Erdbebengeographie 



[112 



an der Mittelmeerküste, von Der Bala und Ludd im Süden angefangen über Sur, 
Saida, Beirut, Tarabulus und Ladikije bis hinauf zur Mündung des Nahr el- 
Asi (Orontes) am Fuße des Amanusgebirges im Norden. Über ein halbes Dutzend 




derben über den Küstenstreifen und das Hinterland weithin gebracht. Vom 
Orontesgraben bei Antakije (Antiochia), der sich bis in die Messaria Cyperns 



113] 



Asien 



799 



submarin fortsetzt, dringt das Zer- 
störungsgebiet weit landeinwärts 
vor bis über Haleb (Aleppo) hin- 
aus; ein Zeichen für das Weiter- 
streichen des genannten Quer- 
auch die geologi- 
fehlen. Anhalts- 
daß die Sinaihalb- 
Gräben von Akaba 



bruches, wenn 
sehen Beweise 
punkte dafür, 
insel sowie die 
und 

Herde besitzen 



ttierribidscH 



cTes Wadi el-Araba eigene 

Ailat- Akaba wurde lOb'7 zerstört. 
Erfahrungsgemäß leitet dieser Süd- 
abschnitt des Syrischen Grabens die 
Erdbebenenergie besonders gut wei- 
ter bis zum Nil knie bei Luxer auf 
afrikanischem Boden. Bekanntlich 
bildet das Tote Meer (Bahr Lut) 
(Fig. 434) den tiefsten festländischen 
Einbruch der Erdrinde; 400 m tief 
unter dem Niveau des Mittelländi- 
schen Meeres liegt der Seespiegel 
und weitere 400 m Tiefe ergaben 
die Lotungen. Von dort an hebt 
sich der Boden des Jordangrabens, 
des Hör, so daß der Spiegel des 
Genezarethsees (Bahr Tabarije) 
noch 208 m unter und erst der 
Hulesee 2 m über dem Meeresspiegel 
liegt. Zwar sind am Djebel Usdum 
(Sodomsberg) und bei Jericho 
(Eriha) je ein Herd zerstörender 
Beben nachweisbar : aber die Haupt- 
herde liegen im ganz zerstückelten 
Bergland von Samaria bei Nablus 
und von Galiläa bei Safed. Die Ver- 
breitung der Schadengebiete spricht 
dafür, daß sich der Nablusherd- 
bruch über Nebbe und Namer bis 
in das Ledschavulkangebiet fort- 
setzt; das gleiche glaubt W. v. 
; Seidlitz aus geologischen Gründen. 
Der Einbruch der Jesreelebene 
scheint herdfrei zu sein. Jm Gra- 
ben der Bikaa ist bloß ein Mittel- 
bebenherd nachweisbar, am Liba- 
nonfluß bei Aineta. Die Senke von 
Horns besitzt einen Lokalbebenherd, 
während dem Ghab Herde zu fehlen 

scheinen. Sehr arm an Erdbebenherden ist Transjordanien, 
/von untergeordneter Bedeutung im Dscholan bei Deraat. 
und bei Dscherasch. Dem Südabbruch des Antilibanon 




Bearb. A. Sieberg 



Fig. 437 

Die Erdbebcntätigkeit von Palästina 
und Syrien 



Dort kennen wir solche 
hei Bosra im Ilauran 
gegen die große Syrische 



Handbuch der Geophysik. Bd. 1 



800 



A. Sieberg: Erdbebengeographie 



[114 




Bearb. 4. Sieberg 



Fig. 438 

Das Hauptschüttergebiet des Palästinabebens vom 11. Juli 11)27 



115] 



Asien 



Wüste (Esch-Scham) sitzt der Damaskusherd auf. Dort, wo die zerbrochenen 
palmyrensischen Ketten in der Stufenlandschaft auf der Ostseite des Anti- 
libanon auf die Hochplateautafel von Schumarije treffen, findet sich der Mittel- 
bebenherd von Tedmur; zahlreiche Spuren seiner Tätigkeit zeigen die Ruinen 
des alten Palmyra. Die transjordanischen Querbrüche erweisen sich als Parallel- 
erscheinungen zum nordsyrischen Bruch bei Antakije-Haleb. 

Tabelle 152 

Wichtigere Erdbeben Palästinas und Syriens 
Gegen 525 y. Chr. Zerstörung von Sidon (Saida) und einer nördlich davon gelegenen 
Stadt durch schweres Erdbeben mit Sei.mi.ehei Woge. Angeblich bis zu den 
Kykladen und Euböa gefühlt. 

HO v.Chr. Nach dem Siege Tryphons über den Diadochenführer Sarpedon ver- 
nichtete am Strande zwischen Tyrus (Sur) und Ptolemais (Akka) eine Seismische 
Woge einen Trupp der Verfolger. 

117 v.Chr. In Judäa großes Erdbeben mit zahlreichen Nachstößen während min- 
destens eines Monats. 

69 v. Chr. Ein Erdbeben in Syrien zerstörte Antioehia (Antakije) und viele andere 

Städte, angeblich 17 000 Tote. Außer Palästina wurde auch Salamis (Fama- 

gusta) auf Cypern erschüttert. 
31 v. Chr. im Frühjahr. Zerstörendes Erdbeben am Genezarethsee, vor allem zu 

Rabat (Tabanje) und Sarona; viele Tote und Verwundete. Gefühlt bis über 

Jerusalem hinaus. 

30, April, 7. Bei Christi Kreuzigung Erdbeben kleinen Schüttergebietes in Judäa 
mit leichten Gebäudeschäden zu Jerusalem. Im Felsen Golgatha entstand eine 
Spalte, die heute noch in der Grabeskirche sichtbar ist, Zwei Tage später neue 
Erdstöße. 

53. Ein Erdbeben mit weit ausgebreitetem Schüttergebiet i n Syrien. In Antioehia 
wurden u. a. der Diana- und der Ilerkulestempel zerstört, 'Ferner werden Zer- 
. Störungen gemeldet aus Hierapolis (Membidsch), Laodicea (Ladikiie) und 

Apamea (Kalat el-Mudik). 
1 233. Schweres Erdbeben in Syrien mit Zerstörungen in Damaskus. 
306, im Winter. Zerstörung von Tyrus und Sidon; auch in Jerusalem gefühlt, 
334. Ausgebreitetes Erdbeben in Syrien und dem näheren Orient, mit Zerstöruiur 
von Antioehia. Angeblich 40000 Tote und Verwundete. 
, 348. Zerstörendes Beben an der syrischen Küste, wobei vor allem Berytus und 
f Aradus (Kuad) litten. 

■ 362, vor Juni. Schweres Erdbeben mit Seismischer Woge am Toten Meer Zer- 
; Störung von Areopolis (Rabbath Moab) und Kir Moab (El-Kerak) in Trans- 
jordanien. Schwer litt der Tempel in Jerusalem, und auf seinen Trümmern 
brach eine Feuersbrunst aus. 
425. Zerstörendes Erdbeben in Palästina, bis nach Ägypten hin gefühlt, Zu Er- 
■•• Kamleh ein Drittel der Häuser vernichtet, Zerstörungen an der Stadtmauer 
von Jerusalem. 

525, Mai, 2 9. Zerstörung von Berytus und Biblos, schwere Schäden in Sidon 
In Antioehia noch kräftige Stöße. Abermalige Zerstörung des neuerbauten 
Berytus im Jahre 529. 
528, November, 29. Zerstörung von Antioehia, Pompejopolis, Seleukia und Daphne- 

4900 Tote. Große Erdspalten in Pompejopolis. 
561, Juli, 9. Abermalige Vernichtung von Berytus durch ein Erdbeben, das bis 
Ägypten, Arabien und Mesopotamien gefühlt worden sein soll. Eine Seismische 
Woge versenkte viele Schiffe. Vgl. Fig. 436.. 
Gegen 710. Kräftiges Erdbeben in Palästina. Auf dem Ten>p<dberge Moria zu 
Jerusalem stürzte der Ostteil der alten Aksa-Moschee zusammen. Anscheinend 
auch in Syrien und Ägypten gefühlt, 



802 



A. Sieberg: Erdbebengeographie 



[116 



746, Januar, 18. Ein Erdbeben in Judäa und Samaria zerstörte angeblich 600 Ort- 
scliaften und tötete viele Menschen. Kräftige Schäden in den Klöstern am Nord- 
ende des Toten Meeres, geringere in Jerusalem. Zahlreiche Bergstürze. Seis- 
inische Woge an der Meeresküste versenkte eine Anzahl Schiffe, Zum Schütter- 
gebiet soll neben Syrien und Ägypten auch Mesopotamien gehört haben. 

756, Mai, 3. Zerstörendes Erdbeben in Palästina, In Jerusalem stürzten weitere 
Teile der Aksa-Moschee ein. Gefühlt auch in Antakije und Ilaleb. 

Zwischen 775 und 780. In Judäa zerstörendes Erdbeben. Zu Jerusalem wurde 
auf dem Berge Moria der Felsendom Kubbet es-Sachra beschädigt. 

850, April, 8. Schweres Beben in Nordsyrien, fast völlige Zerstörung von Laodicea 
G abala urrdr Au Liochia . Der Tempel in Jerusalem litt leichie Schäden. Gefühlt 
in Kleinasien, Armenien, Mesopotamien und Ägypten. 

063. Juli, 22. In Asas und zahlreichen Dörfern der Umgegend Erdbebenzerstörungen. 

091, April, 5. Schweres Erdbeben mit Seismischer Woge in Syrien, das bis Ägypten 
verspürt wurde; Zerstörungen in Damaskus. " 1 

10.16. Ein zerstörende Beben in Judäa brachte zu Jerusalem die Kuppel des Felsen- 
doms zum Einsturz. 1 

1029, Januar, 20. Damaskus zur Hälfte von Erdbeben verwüstet. 

1033, März, 6. Im Süden Palästinas Der el-Balah völlig niedergelegt; Zerstörungen 
und Schäden zu Gasa, Askalon und bis nach Jerusalem hin. Seismische Woge 
vernichtete Akka zur Hälfte, Angeblich 7000 Tote. Auch in Ägypten und 
Syrien verspürt. 

1042, August , 21. Schwere Zerstörungen in Palmyra (Tedmur) mit großem Schaden- 
gebiet; angeblich 50000 Tote. Heftig auch in Baalbek. Bis Persien und Ägypten 
gefühlt. 

1067, April, 20. Ein Erdbeben zerstörte die Hafenstadt Ailat, deren Trümmer 
sich in unmittelbarer Nähe des heutigen El-Akaba befinden. Die Ruinen der 
antiken Hafenstadt Esjon Geber liegen infolge von Verbindung des nördlichen 
Akabagolfes 50 km landeinwärts, an einem Salzsumpf. 

1089. In Palmyra abermals schwere Verwüstungen. 

1111. August, 10. Zerstörendes Erdbeben in Antiochia mit großem Schaden- und 

Schüttergebiet. Vgl. Fig. 436.. 
1151. Zerstörendes Beben im Nakrura und Hauran, genannt werden bloß schwere 

Schäden in Bosra, Großes Schüttergebiet, zum mindesten in Syrien. 
1170, Juni, 29. Zerstörendes Erdbeben in Laodicea und G abala mit großem Schaden- 

und Zerstörungsgebiet. Vgl. Fig. 436. 

1201. Zerstörungen in Horns und am Kurdenschloß sowie namentlich in Baalbek. 
Auch in Mesopotamien und auf Cypern gefühlt. 

1202, Mai, 2 0. Schweres Erdbeben in Samaria und Galiläa; fast völlige Zerstörung 
von Nablus, schwere Schäden in Safed. Viele Tote. Bis Kus in Oberägypten, 
Mesopotamien und den Sporaden gefühlt. Vgl. Fig. 436. " 

1222. Lavaausbruch bei Killis in Nordsyrien. Erdbeben dürften nicht gefehlt haben, 

trotzdem sie nicht erwähnt werden. 
1546, September, 29. Schweres Erdbeben in Samaria mit Zerstörung von Nablus 

und Er- Kam. Gefühlt bis Cypern. Seismische Woge. 
1616, August, 2 7. Schwerste Erdbebenzerstörungen in Aleppo, wo die stärksten 

Mauern umfielen. 

1656, im Februar. Tripolis zur Hälfte zerstört. Das Beben wurde auch in Palästina 
gefühlt. 

1752, Juli, 21. Schwere Zerstörungen zu Laodicea und sonst weithin an der syrischen 

Küste; angeblich 20000 Tote. 
1759, im Oktober. Beginn eines drei Monate dauernden Bebenschwarmes mit 
Herden im nördlichen Kör und in der Bikaa. Angeblich sollen diese Beben 
30000 Menschenleben gefordert haben, davon 20000 allein in der Bikaa. Die 
beiden Hauptstöße waren: 
Oktober, 30. In Galiläa mit Zerstörungen in Safed und Tiberias. Vgl. Fig. 436. 
November, 25. In der Bikaa mit Herd bei Mar Dschirgis; schwere Schäden 
zu Baalbek, namentlich am Jupitertempel. Vgl. Fig. 436. 



117] 



Asien 



803 



1796. April, 26. Zerstörendes Beben in Nordsyrien, vor allem in Ladikije, wo ein 
Drittel der Häuser, auch die stark gebauten, einstürzten und 1500 Menschen 
getötet wurden. 

1822, August, 13. Weit ausgedehntes Erdbeben in Nordsyrien mit fast eänzlicher 

Zerstörung von Antakije; 20000 Tote. 
1837, Januar, 1. Weit ausgedehntes, zerstörendes Beben mit Herd bei Safed und 

Tiberias. 2000—3000 Tote. Gefühlt auf Cypern. Vgl. Fig. 436. 
1872, April, 2. Zerstörendes Erdbeben in Nordsyrien, wobei Sawije zu zwei Drittel, 

Antakije zu einem Drittel zerstört wurden; 1800 Tote. 
1896, Februar, 20. £tu kräftiges Schadenbeb en in Damaskus. 
1903, März, 30. Schweres Schadenbeben in Nablus, gefühlt bis Beirut. Damaskus 

und Gasa, Vgl. Fig. 436. 
1905, erste Dezemberhälf te. Infolge eines lokalen Erdbebens stürzten zu Kas 

um-Kale bei Haleb zahlreiche Häuser ein. 

1924, Februar, 27. Ausgebreitetes Erdbeben im Dscholan mit Schäden bei Deraat 
Vgl. Fig. 436. 

1927, Juli, 11. Ganz Palästina und große Teile von Transjordanien fielen in das 
Schaden- und Zerstörungsgebiet eines schweren Bebens mit Herd bei Nablus. 
242 Tote. Das Schüttergebiet reichte bis Haleb, Bagdad, Luxor in Oberägvpten 
und Symi in den Sporaden. Vgl. Fig. 438. 

1928, Februar, 22. Ausgebreitetes Schadenbeben in Palästina, vor allem zu Jeru- 
salem. Vgl. Fig. 436. 

Über die Erdbebentätigkeit in Mesopotamien läßt sich infolge der äußerst 
spärlichen Nachrichten (Tab. 153, Fig. 441 u. 442) mir sehr wenig sagen. Zer- 
störende Erdbeben bat es im Laufe der Geschichte an den verschiedensten 
Stellen gegeben, sowohl im Norden als im Süden, vor allem in ürfa, Mosul und 
Bagdad-Ktesiphon. Auch an der Verwüstung alter Kulturstätten, besonders 
Ninives und Babylons, haben Erdbeben zweifellos zum guten Teil beigetragen, 
obwohl archäologische Nachweise noch nicht versucht zu sein scheinen. Lassen 
sich auch die Herde nicht näher lokalisieren, so kommt docb der rasch fort- 
schreitende Niederbruch der mesopotamischen Schollen deutlich zum Ausdruck. 
Dies gilt sowohl für die zum Persischen Golf gehörigen Längsbrüche in SO— NW- 
Richtung als auch für die Querbruchscharen bei Bagdad, mit denen das Ober- 
land gegen das Unterland absetzt. Fußend auf eine keilschriftliche Episode aus 
dem babylonischen Gilgamesch-Epos deutet E. Suess 1 ) den der Sintflutsage 
zugrunde liegenden Naturvorgang als Seismische Woge mit Orkan nach Erd- 
beben. Jedoch erregt die Lokalisierung an der Euphratmündung, wohin das 
Epos weisen soll, Bedenken, weil dort Seismische Wogen unbekannt zu sein 
scheinen. 

Tabelle 153 
Wichtigere Erdbeben Mesopotamiens 
Kurz vor 1260 v. Chr. Erdbeben in Babylon zu Moses Zeit, jedoch vor dem Auszug 
^ der Israeliten aus Ägypten. 

I Gegen 600? v. Chr. Der Tempel Taras zu Sinkarah wurde zur Zeit Nebukadnezars 
| durch ein Erdbeben zerstört. 

| 592 v.Chr. Hesekiel erwähnt ein Erdbeben am Flusse Kebar. 
| Gegen 550 ? v. Chr. Ein Erdbeben in Susa zur Zeit Daniels. 
r 567. In Mesopotamien ein zerstörendes Erdbeben. 

718. Ein verwüstendes Erdbeben in Edessa (Frfa) und Umgegend. 

x ) E. Suess, Die Sintflut, eine geologische Studie, Prag-Leipzig 1883; vgl. auch 
■ p[ Das Antlitz der Erde, I. Bd. 



804 A. Sieberg: Erdbebengeographie r^ig 

840. Ein Erdbeben in Bagdad (vielleicht ist das palästinensische Beben vom 18 Ja- 
nuar 746 gemeint?). 

8G0, Mai, 2 3. Kräftige Eidbebenzerstörungen in der Gegend von Bagdad mit 

großem Schüttergebiet. ' 
• 1007. Zerstörendes Erdbeben in Dijala (Ktesiphon). 10000 Tote. 
1058. Ein schweres Erdbeben zerstörte in der Gegend von Mosul viele Ortschaften 

Menschen verloren das Leben. 
1121). In Bagdad ein kräftiges Erdbeben. 

16(M>, im November. In der Gegend von Mosul, das schwere Schäden litt, wurden 
5 8tad te un <l 45 Dörfer durch ein Erdbeben zerstört. Auch in Armenien und 
Palästina gefühlt. 

1080. In der Eupliratgegend bei ßawa ein kräftiges Erdbeben. 
17M, Mai, 1. Große Erdbebenzerstörungen in Bagdad. 

1804 im Dezember bis Januar 1805. Zahlreiche Erdbebenstöße in der Gegend 
von Bagdad. 

1805. Februar, 4. Ein ausgebreitetes Erdbeben im Irak Arabi, am stärksten in 

Suk esch-Schejuk, schwächer in Basra und Bagdad. 
807. April, 14. In Bagdad verursachte ein Erdbeben Schäden. 

§ 203. Die Kleinasiatische Halbinsel erweist sich infolge ihrer weitgehenden 
Bruchzerstückelung als sehr erdbebenreich. Jedoch scheinen Großbeben .bloß 
auf die Randgebiete des Marmamameeres und des submarinen Rhodeser Kessels 
beschränkt zu bleiben. Ausbruchsbeben fehlen, weil sich die jungen Vulkane 
m geschichtlicher Zeit nicht betätigt haben. Über Einsturzbeben ist nichts 
bekannt. 

a) Der Aufbau 1 ) zeigt trotz weitgellender tertiärer Faltung ein aus- 
gesprochenes Bruchschollenland. Fast Dreiviertel der Halbinsel erfüllt ein Hoch- 
land von etwa 900—1000 m mittlerer Höhe, das im Innern durch Bergrücken in 
einzelne Becken geteilt wird. Jenseits des Kisil Irmak dringen diese Bergrücken 
wie ein Rutenbündel aus Armenien vor. Die meisten der Hochlandsbecken sind 
mit jungen Seenablagerungen erfüllt. Am bekanntesten ist die Große Salzsteppe, 
vordem ein salziges Binnenmeer, dessen letzten Rest der Salzsee Tus Tschöllü 
bildet. Junge, wenn auch heute nicht mehr tätige Vulkane, wie Karadagh, 
Karandjadagh, Hassandagh und Erdschias (Argäus) gehören zu Bruchfeldern^ 
die sich in der Karte bloß ganz schematisch andeuten lassen. Daß es sich, wie 
F. Frech 2 ) annimmt, um eine fortlaufende Vulkanreihe auf der Innenseite 
des Taurischen Faltenbogens handele, bezweifelt Sieberg; er vermutet ähnliche 
Verhältnisse wie bei der südägaischeh Vulkanzone. Wülste von Hochgebirgen 
fassen den Nord- und Südrand ein, erheben sich allmählich aus dem Hochland und 
stürzen schroff zur Küste ab. Im Norden das Bythynische Gebirge, das mit 
dem Mysischen Olymp beginnt, und das Politische Gebirge bestehen aus zer- 
brochenen Kreidetafeln, zum Teil mit Lavadecken. Hingegen handelt es sich 
im Taurus des Süden um tertiäre Faltenketten, die Südeuropa mit Vorderasien 
verbinden. Zwischen den Buchten von Makri und Adalia schwenkt das Falten- 
streichen von Westen nach Norden zu den Scharungen 3 ) von Diner und Afiun 

J ) A. Philippson, Kleinasien. Handb. d. region. Geol., 22. Heft. Heidelberg 1918. 
- Derselbe, Reisen und Forschungen im westlichen Kleinasien. Peterm.Mitt, 
Ergänz.-Heft Nr. 167, 172, 177, 180 u. 183. Gotha 1910—15. 

2 ) F. Frech, Über den Gebirgsbau des Tauros in seiner Bedeutung für die 
Beziehungen der europäischen und asiatischen Gebirge. Sitz.-Ber. K. Preuß. Akad. 
Wissensch. Berlin 1912. 

3 ) W. Penck, Die tektonisehen Grundzüge Westkleinasiens. Stuttgart 1918. 



119] 



Asien 



805 



Karahissar um. Ganz besonders verwickelt ist der Aufbau des Westens. Hier ent- 
spricht der kristalline Kern der Karischen Masse dem Kykladenkern. Junge 
Längs- und Qiierbrüche, letztere zum Teil aus den Kykladen herüberstreichend, 
haben, wie A. Philippson im einzelnen nachwies, die Küstenniederung samt 
dem Hochlandsrand in Hoch- und Tiefschollen aufgelöst, ohne Rücksicht auf 
die frühere Struktur, vor allem auf den tertiären Faltenbau. Dabei spielen 
neben den Küstenbrüchen, die auch die Inselwelt abtrennten, die gewaltigen 
Gräben der Querbrüche die Hauptrolle. Bei dieser Gelegenheit sind, namentlich 
im Nordwesten, gewaltige Lava massen zum Durchbruch gekommen. 




Fig. 431) 

Die Erdbebentätigkeit Kleinasiens 



b) Die Erdbebentätigkeit (Tab. 154, Fig. 439 u. 440). Für den Westen 
Kleinasiens liegen seit dem Altertum zahlreiche und brauchbare Erdbebennach- 
richten vor, die Sieberg, zum Teilgestützt auf Lokalkenntnis, inden Stand setzten, 
ein ziemlich verläßliches Bild von der dortigen Erdbebentätigkeit zu entwerfen. 
Einige Grundzüge dieses Bildes hatte schon früher O. Weismantel 1 ) erkannt. 
Im Gegensatz zum Westen erweist sich für das Innere des Hochlandes und für 
den ganzen Osten sowohl das überlieferte Erdbebenmaterial als auch die 
Kenntnis der Tektonik als äußerst unzulänglich. Infolgedessen war für diese 
weiten Gebiete bloß eine ganz schematische Darstellung durchführbar, vor allem 
auch hinsichtlich der Herdlagen. 

J ) O. Weismantel, Die Erdbeben des vorderen Kleinasiens in geschichtlicher 
Zeit. .Marburger Dissert., 1891. 



806 



A. Sieberg: Erdbebengeographie 



[120 : 



Tabelle 154 
Wichtigere Erdbeben Kleinasiens 
65 v. Chr. Zu Colossae ein schweres Erdbeben. 

20 V undCl^s S liif nZiiChe ZerStÖmng V ° n TraüeS (Aidin )' Schäden bis Laodicea 
17. Ausgebreitetes Schadenbeben im vorderen Kleinasien. Zerstörung von Ephesus - 

Magnesia (Mamssa) Sardes (Sart) und acht anderen Städten bis Aidin und 

Thiiadelphia (Alaschehir) hin. 
29. November 24. Nicea (Isnik) wurde zum größten Teil zerstört, Schwer auch * 

m Mcomedia (Ismid) gefühlt. 

CO. l^ ^T^^ lie ? Igen ? eilMi Zerstörung von Laodicea, Ilierapolis un^ 
Coioteae; Schaden anscheinend auch in Apamea Kvbotos f Diner) ' 
t>J, Januar, 2. Zerstörung von Nicomedia. 

105 Zerstörendes Beben zwischen Phokäa (Fotscha) und Aivalvk, mit großem 
Schnttergebiet zwischen den Golfs von Adramyti und Smyrna sowie auf den 
Inseln, namentlich Lesbos. 

178. Verwüstung von Smyrna. 

240, August, 5. Schweres Erdbeben in Cappadocien und Pontus 
290, Mai, 14. Ein heftiges Erdbeben in Tarsus. 

858, August, 2 4 Nicomedia wird zum größten Teil zerstört, großes Schüttei-ebiet 
bis nach Makedonien hin. * » 

362 D eZ e m ber 2. Schwere Zerstörungen in Nicea, außerdem im stehenge. 
ä«üt 0media ' Sclläden zu Germe und am Hellespont. Weithin 

525. Anazarbus wurde durch ein Erdbeben zerstört. 

543, September, 6. Zerstörendes Erdbeben in Cycicus (Banderma). Leichte Schäden 
in Konstantinopel, die Statue Justinians stürzte um. 

555, August, 16. Nicomedia wurde größtenteils zerstört, dort 40 Ta<r e lang Nach ? 
stoße. Erhebliche Schäden auch in Konstantinopel und an seiner Stadtmauer ' 
einige lote. Eine Seismische Woge im Marmarameer vernichtete viele Schiffe' ' 

1056. Zerstörendes Beben in Smyrna; bis über Konstantinopel hinaus gefühlt 

1064 September, 23. Zerstörung von Nicea. Schäden ringsum am Marmarameer 
Nachstoße in Nicea zwei Jahre lang. 

1115, Dezember, 25. Zerstörendes Erdbeben in Marasch, viele Tote Zerstö- 
rungen und Schäden auch in Samasata, Edessa, Harran und Baiascii. Gefühlt 
bis über Mamistra und Jerusalem hinaus. 

Im 12 Jahrhundert wurde zu Halicarnassos (Budrum) das Mausoleum durch Erd- ° 
beben schwer beschädigt. 

UDO. Zu Karaman schweres Erdbeben. 

!!ro' JunL Schweres Erdbeben in Pergamon (Berghama) und Umgegend. 

\r ,™ ar ' 23 ' El11 E rdbeben zerstörte Aidin zur Hälfte, 3000 Tote; anderthalb 
Monat lang Nachstöße. Schwere Gebäudeschäden und Zerstörungen in Tire 
Nasilli, Gewelschek, Denisli, Sultanschair, Kajuchschek und Asine. 'Vermutlich 
damals wurde zu Didyma, südlich von Milet, der Orakeltempel des ApoUo 
völlig niedergeworfen. 

1668, Juli, 10. Smyrna durch Erdbeben mit nachfolgender Feuersbrunst gänzlich 
zerstört, 2000 Tote; gewaltige Bodenspalten, Seebeben. Zahlreiche Nachstöße. * 

1668, August, 18. Zerstörendes Erdbeben zu Castamuni, angeblich 1800 Tote 
zu liolla. Das Schadengebiet reichte bis Amasia, Neoeäsarea, Kaisariie und 
Angora. J 

1668, September, 13. Zerstörendes Erdbeben in Konia. Auch der Taurus gehörte 

zum Schadengebiet. Viele Tote. 
1703. In Denisli und Umgegend schwere Erdbebenzerstörungen und gewaltige 

Bodennsse. Schäden anscheinend auch in Diner. 
1719, Mai, 2 5. Fast vollständige Zerstörung von Ismid. Das Schaden- und Zer- 

storungsgebiet reichte bis über die Prinzeninseln und Konstantinopel hinaus- - 

1000 Tote. ' 



121] 



Asien 



807 



1835, August, 23. Zerstörendes Beben am Vulkan Erdschias (Argäus), besonders 
an semer Südseite. Vor allem litten Kaisarije, Kumetri, Welkeri, Mandzofer 
Talwusin und 20 Dörfer der Umgegend; mehrere hundert Tote. Zahlreiche 
Nachbeben. 

1844, im Mai. Zwischen Angora und Osmandjik zerstörendes Erdbeben; 200 Tote 

1845, Juni, 23. Kräftige Zerstörungen in Manissa; geringere Schäden und Berg- 
stürze in Smyrna und Umgegend. 

1855, Februar, 28. Weitreichendes Schadenbeben mit Zerstörungen in Brus«<i 

und Umgegend; 700 Tote. Zahlreiche Bergstürze. Vgl. Fig. 440. 
1862, Mitte Oktober. Zerstörung von Sögüd dur ch ein Erdbeben^ gefüh lt m indc- 

stens bis Konstantinopel. ' 
1864, März, 12. Ein Erdbeben in der Ebene von Troas, gemeldet aus Ilissarlik 

Burnabaschi und Ren Kibi. 
1864, Juni 10.— 14. Kräftige Erdstöße zu Tschanak Kalessi, schwächer in Gallinoli 

und mindestens bis Saloniki gefühlt. 

1869, Dezember, 1. Zerstörendes Erdbeben am Keramosgolf, besonders zu Menteche 
und Marmaritza, weniger zu Ula und JMuglila. Vgl. Fig. 440. 

1870, Februar, 2 2. In Makri Erdbebenzerstörungen. 

1875, Mai, 3.-5. Zerstörendes Beben zu Ischikli-Demirli, in dessen rnicrebunir 
zahlreiche Dörfer zerstört wurden; 1312 Tote. Das Zerstörung*- und Schaden' 
gebiet umfaßte auch Diner, Uschak und Afiun-Karahissar. Bei den Nachstößen 
verlagerte sich der Herd, am 12. zerstörend, nach Uschak. 

1877, Oktober, 13. bis November, 1. Erdbebenschwarm auf der Insel Marmara 
mit Zerstörungen. *' 

1878, April, 15. Ausgebreitetes Erd- und Seebeben mit Zerstörungs- und Schaden- 
gebiet von Ismid bis Bnissa. Seismische Woge. 40 Tote, 

1880, Mitte Mai. Bei Sinob verursachte ein Erdbeben Küstenabbrüche, die das 
Dorf Heleddi schwer in Mitleidensehaft zogen. 

1880, Juli, 20. Erdbebenzerstörungen vor allem in Menemen, ferner in Kordelio 
Burnabad, Tomaso und anderen Dörfern. Schäden bis Smyrna, Manissa, Kassaba 
und Alaschehir. Schüttergebiet mindestens bis Samos, Chios, Lesbos und Kon- 
stantinopel. 

1883, Oktober, 1 5. An der Westküste der Halbinsel Tschesme Zerstörung von Lytri 
und fast aller Dörfer. Schwächer auf Chios und in Smyrna, Gefühlt bis mindesten* 
Athen. 

1894, Juli, 10. Ausgebreitetes Zerstörungsbeben am Unterlauf des Sakariaflusses 
vor allem in der Gegend von Adabasar bis Geiwe; viele Tote. Vgl. Fig 440 ' 

1890, April, 10. Schweres Schadenhöhen zu Emed. Schüttergebiet bis mindestens 
Smyrna und Konstant inopel-Tschataldscha. 

1898. Zerstörung von Balikesri durch ein Erdbeben mit nachfolgender Feuersbrunst 

1899, September, 22. Schwere Erdbebenzerstörungen im Graben des Menderes- 
(Mäander-) Flusses. Große Bodenspalten in Aidin und Denisli. Vgl. Fig. 440. 

1925, Mai, 1. Starke Erdstöße in Adana und Umgegend. 

1928, März, 31. Zerstörendes Erdbeben im Tale des Gedisflusses. Turbali wurde 
fast gänzlich, Smyrna teilweise zerstört; 30 Tote. Schäden bis Manissa Ah- 
schehir und Uschak hin. Gefühlt Iiis Athen und Kythira. 

1928, Mai, 6./7. Ein kräftiges, angeblich sogar zerstörendes Erdbeben aus Eski- 
schehir und Kutahia gemeldet. 

Als Fortsetzung des nordägäischen Serosgrabens wird das Marmarameer 
l nach Sieberg von drei Gräben durchzogen, die an den Golfs von Ismid, Gemlik 
und Erdek weithin in das Festland übertreten. Sie mit ihren Großbebenherden 
r und die Nachbargebiete bilden eine der Haupterdbebenzonen Kleinasiens 
Ismid (Nikomedia) und im Ostabschnitt des Salmndschagrabens Adabasar 
(Fig. 440), ferner Isnik (Nieäa) im Gemlikgraben sowie Bnissa (Fig. 440) und 
Banderma (Cycicus) im Erdekgraben haben oftmals und schwer unter Erdbeben 
zu leiden gehabt. Manche von diesen Heben verursachten selbst in Konstantinopel 



808 



A. Sieberg: Erdbebeiigeograplüe 



[122 



beachtliche Gebäudeschäden. Die Linie vom Großbebenherd bei Gallipoli 
an bis zum Mittelbebenherd bei Tenedos deuten im Verein mit den Lavadecken 
auf eine parallel den Dardanellen verlaufende Bruchlinie hin. 

Die ganze Westküste bildet ein umfangreiches, weit ins Innere hinein- 
greifendes Zerstörungs- und Schadengebiet, in dem zahlreiche Baudenkmäler 
der Antike mehr oder minder schwer in Mitleidenschaft gezogen worden sind; 
auch Seebeben und Seismische Wogen werden gemeldet. Jedoch dürfte Mittel- 
bebencharakter kaum überschritten werden. Fast ausschließlich sind die Herde 
an die gewaltigen Querbrüche gebunden, die zum Teil aus dem Ägäischen Meer 




Fig. 440 

Wichtigere Erdbeben Kleinasiens 



herüberstreichen. Die Längsbrüche der Küsten scheinen sich ruhiger zu ver- 
halten; denn die ihnen aufsitzenden Herde sind fast ausschließlich Kreuzungs- 
stellen mit Querbrüchen. Demgemäß heben sich als Haupterdbebengebiete 
heraus: Der Kaikosgraben mit Berghama (Pergamon) ; der Kyastergraben mit 
Smyrna, Turbali und Ephesus; der Hermosgraben mit Manissa (Magnesia), 
Sart (Sardes) und dem jungen, aber erloschenen Vulkangebiet von Kula 1 ) 
(Katakekaumene) ; der Meiideres- (Mäander-) Graben (Fig. 440) mit Milet, Aidin 
(Tralles), Nasli sowie den antiken Städten Hierapolis, Laodicea und Colossae 
in der Gegend von Denisli; der Keramosgraben (Fig. 440) mit Monteche, während 
Budrum (Halikarnassus) anscheinend bloß von Schadenbeben betroffen wurde. 



M A. Philipps«»;, Das Vulkangebiet von Kula in Lydien, die Katakekaumene 
der Alten. Peterin. Mitt. 1913. 



123] 



Asien 



«09 



Die Mittelbebenherde von Uschak und Diner dürften zu den Scharungen von 
Afiun Karahissar und Diner derart in Beziehung stehen, daß die Faltungs- 
tektonik in noch unbekannte Bruchtektonik übergegangen ist . In der Fortsetzung 
des Lykischen Grabens gegen den Khodeser Kessel liegt ein submariner Groß- 
bebenherd, der vor allem die kleine Küsteninsel Kastellorizo bedroht. Der 
Kesselbruch von Balikesri und der Makestosgraben bei Emed scheinen lediglich 
Schadenbeben hervorzubringen. 

Auf dem Hochlande läßt sich der zerstörende Herd von Söjüd einstweilen 

brach ihre Erklärung finden. Frei von Bebenherden erscheint fast das ganze 
Innere des Hochlandes bis zum Westbogen des Kisil Irmakflusses. Ob dieses 
Bild den Tatsachen wirklich entspricht oder bloß durch Mangel an überlieferten 
Beobachtungen vorgetäuscht wird, läßt sich nicht entscheiden. Beachtenswert 
ist das Zerstörungs- und Schadengebiet von Kunia über Karaman hinaus, dessen 
Herde mir ganz beiläufig zu lokalisieren sind. Sie legen den Gedanken nahe, 
niedergebrochene Staffeln am Ostrand des westlichen Taurus seien unter der 
Salzsteppe begraben. Senkrecht hierzu verlaufen anscheinend Staffelbrüche 
auf der Nordseite des östlichen Taurushorstes, über denen sich, gegeneinander 
versetzt, erloschene oder wenigstens ruhende Vulkane vom Karadagh bis zum 
Erdschias aufgebaut haben. Jedenfalls befindet sich beim Erdschias ein für 
Kaisarije, Kumetri und andere Orte zerstörend wirkender Herd tektonischer 
Erdbeben von höchstens Mittelbebencharakter. 

Ganz ungeklärt sind die Verhältnisse am Unterlauf des Kisil Irmak bis nach 
Angora hin, von wo vereinzelt Schadenbeben gefühlt sind. Im Ostflügel 'des 
Bithynischen Gebirges hat zum mindesten das Bruchbecken von Taschköprü- 
Kastamuni zerstörende Beben geliefert. 

Im Süden bricht der Ostflügel des Kilikischen Taurus gegen das Bruch - 
becken von Adana ab. Die dortigen Herde von Schadenbeben ebenso wie der 
zerstörend wirkende Herd von Anazarbus leiten zur nordsyrischen Erdbeben- 
zone über. 

§ 204. Das Armenische Sehollenland bezeichnet die Scharungsstelle der klein- 
asiatischen und der südiranischen Faltenstränge tertiären Alters. Jüngere Bruch - 
dislokationen gewaltigen Ausmaßes schufen neue, vom Faltenbau fast unab- 
hängige Landschaftsformen. Dementsprechend liefern zahlreiche Herde, die zur 
bekannten Bruchtektonik in deutlichsten Beziehungen stehen, Erdbeben aller 
Charakterklassen. Vulkane bauten sich auf und gewaltige Deckenergüsse über- 
fluteten Innerarmenien. Trotzdem ist über Ausbruchsbeben so gut wie nichts 
bekannt. Auch für das Vorkommen von Ausbruchs- und Einsturzbeben liegen 
keine Anhaltspunkte vor. 

a) Der Aufbau 1 ). Am Südfuß des Kaukasus ist der Rion-Kura- Graben 

, eingebrochen, der das Schwarze Meer mit dem Kaspischen Meer verbindet. 
Darüber erhebt sich das Armenische Hochland 1500— 1800 m hoch mit tertiären 
Sedimenten, Laven und erloschenen oder ruhenden Vulkankegeln (Ararat 5160 m). 
Bruchfelder gehören dem Toporawan-, Goktscha-, Urmia- und Wan-See an. 
Am Westufer des letzteren erheben sich zwei Riesenvulkane, der erloschene 

; Sipan und der geschichtlich tätig gewesene Nimrud. Hohe, horstförmige Rand- 
gebirge umsäumen den Norden und Süden: Politisches Gebirge, Karabagh und 
Sähänd auf der einen, Armenischer Taurus und Kurdistangebirge auf der anderen 
Seite. 



*) F. Oswald, Armenien. Handb. d. Kegion. (ieol., 10. Heft. 1912. 



810 



A. Sieberg: Erdbebengeographie 



[124 



b) Die Erdbebentätigkeit (Tab. 155, Fig. 441) läßt sich an der Hand 
neueren Beobachtungsmaterials, das vor allem der russische Erdbebendienst 
geliefert hat, recht gut beurteilen, zumal sich auch an anderen Stellen manche 
brauchbaren Angaben über ältere Erdbeben vorfinden. 

Tabelle 155 

Wichtigere Erdbeben Armeniens und des Kaukasus 
330 v. Chr. Ein Erdbeben zu Neocäsarea und Herakleia (Eregli). 
^^Schweres, zerstörendes Erdbeben in Neocäsarea und Neopolis, Schäden bis 
Amasiav Gefühlt bis mindestens Ettessa (TTrfa). 
869 und 893, Zerstörung von Towin: bpim letzten Beben angeblich 82000 Tote 
1040. Schwere Zerstörungen in Täbris, viele (angeblich 50000) Tote- gefühlt bis 
Afrika. 

U68. Ersingan durch ein Erdbeben zerstört; 12 000 Tote. 
1273. In Täbris zerstörendes Beben, 250 Tote. 

1208. In Ersingan ein zerstörendes Erdbeben, mit Bodenspalten; 15000 Tote 

1319. Armeniens alte Hauptstadt Ani wurde durch ein Erdbeben zerstört, 

1441. Em Ausbruch des Vulkans Nimrud. 

1458. Abermals Zerstörung von Ersingan; 32000 Tote. 

li \^t' Zerstörendes Beben in Täbris und Umgegend. 

1007. Zerstörung von Schemacha durch ein Erdbeben, angeblich 8000 Tote. 
100<, Juli, 28. Ersingan wurde zur Hälfte zerstört. 

1721, April, 26. Abermals zerstörendes Erdbeben in Täbris, 8000 Tote. 
1784, Juli, 23. Zerstörendes Erdbeben in Ersingan, 5000 Tote. Gefühlt auch in 
Erserum. 

1827, im Juni. Zerstörung von Tokat, großes Schadengebiet, 

1827, Oktober, 23. Schadenbeben in Tiflis. 

1828, Anfang August. Zerstörung von Schemacha und Baskai; 8000 Tote. Be- 
deutende Bodenrisse, Das Schüttergebiet reichte von der Kuramündung bis 
Signach in Kachetien. Nachbeben bis Ende Mai 1829. 

1830, März, 9. Am Terek zu Andrejewska zerstörendes Beben mit Felsstürzen, 
400 Tote; auch aus Astrachan gemeldet. 

1840, Juni, 20. Schweres Erdbeben am Ararat mit verheerendem Erdrutsch im 
Arguntal. Gefühlt bis Tiflis und dem K aspischen Meere. 

1841, Mai, 8. Kräftiges Schadenbeben in der Gegend von Basajet, leicht gefühlt 
bis über Tiflis hinaus. 

1842, Januar, 2. Schweres Erdbeben auf der Halbinsel Apscheron, völlige Zer- 
störung des Dorfes Maschtagi; Erdspalten hier und bei Zabrat und Surachani. 
Zahlreiche Nachstöße bis zur Monatsmitte. 

1851, Mai, 31. Abermalige Verwüstung von Schemacha. 
1859, Mai, 21. Ein Drittel von Erserum zerstört, 500 Tote. 
1809, August, 21. Zerstörung von Sundi, Marasy und Dshangi. 
1874, Mai, 4./5. Zerstörendes Beben in der Gegend von Diarbekr. 
18 4 9, März, 13. Zerstörendes Erdbeben am Urmiasee, vor allem zu Marand; viele 
Tote. 

1881, August, 28 bis Ende September. Schwarmbeben am Urmiasee, in Khoi 
wurden Häuser zerstört. Sehr stark auch in Täbris gefühlt. 

1883, Mai, 2. In Täbris zerstörte ein Erdbeben viele Gebäude; zahlreiche Tote. 

1884, Februar, 10. Zerstörendes Erdbeben im Distrikt Bitlis, vor allein zu Birvari. 
1893, März, 31. Außerordentlich schwere Verwüstungen in Malatia; 469 Tote. 
1899, Dezember, 19. Zerstörendes Erdbeben zu Achalkalaki und besonders in 

den nördlich davon gelegenen Ortschaften, 300 Tote. Das Schüttergebiet um- 
faßte den ganzen Rion-Kura-tJraben. 
190*2. Februar, 13. Zerstörendes Erdbeben in Schemacha und Umgegend; mehr 
als 1000 Tote. Weitgehende Bodenumgestaltungen. 



125] 



Asien 



811 



1903, April, 29. Völlige Zerstörung von Melaskert und vielen anderen Ortschaften 
etwa 0000 lote. Unter den zahlreichen Nachstößen zerstörende am 9. und 12. Mai* 

1903, Mai, 3. Schwere Erdbebenzerstörungen in Müsch und sieben Dörfern zahl 
reiche lote. Schäden bis Erserum und Bitlis. " ? 

1903, Mai, 28. Zerstörendes Beben in der Gegend von Ardahan. 

1903, Juli 9. Sehadenbeben im Gouvernement Tiflis, vor allem zu Sehulawerv 
Jekatennenfeld und Dshelal-Ogly. tl} ' 

1903, November, 2. Sehadenbeben zu Nueha. 

1904, Juli, 5. Schadenbeben zu Scliuscha 

1905, Oktober, 21. Kräftig Schadenbeben in *neh«m, grt*fc Schüttergebiet 
UOo, Dezember, 4. Erhebliehe Zerstörungen in Tätern und Kharput, Schäden' 

bis Malatia und Uing^rnd. 
1900, März, 6. Kräftiges Sehadenbeben zu Echtija. 

1906, September, 28. Zerstörendes Beben zu Oluehly 

1907, Januar, 19. Zerstörendes Beben zu Alabaschlv, kräftige Schäden zu Tehf 
und Jehssawetpol. J 

1907, März 29. Zerstöremies Erdbeben in Bitlis mit großem Schüttergebiet Zahl- 
reiche Nachstöße mit Schäden am 31. 

1907, April, 10. Schweres Erdbeben am Goktschasee. 

1907, Juni, 3. Zerstörendes Erdbeben in der Muschebene. 

1907, August, 21. Schadenbeben in Derbent und Umgegend 

1909 Februar 10. Zerstörungen vor allem zu Enderes, Sara und Karahissar 
VgJ. t ig. 440. 

' M2? vl °l t( ? ber ' 12 ; Z ^türendes Erdbeben zu Alawerdy; Schäden in Sehulawerv 
gebiet 1 ° m ' Sera Mueha 1111(1 a " tl «™ Ortschaften. Großes Schütter - 

1913, April, 20. Zerstörendes Beben in Achalkalaki. 

1924, Februar, 19. Schadenbeben zu Stepanjurt. 

1924 Mai 13. Ausgebreitetes Beben in Armenien, das in der Gegend von Erserum 
drei Dorter ganzlich, vier weitere teilweise zerstörte- 50 Tote 

192 V^fit 11 ! ber ' 19 ' Zcrstömules Bebe « ™ *™ Oegend von Tirabzon; 210 Tote 
Gefühlt bis zum Kaspischen Meer. 

1925 i^ ( TV lar ' 8 ' iU dei " Gegen<l von Aldah ™ Zerstörungen in 43 Dörfern; 

1925, Dezember, 3. Schadenbeben in Eriwan 

ld \°^n n ' f r ' 22 ;- 1 !' d " r (; '' Ä " ml V °" I"''»'"'l«>" (Alexandroool) Zerstörungen 
in 40 Dorfen,; 355 Tote. Zahlreiche Nachstöße mit Schilden an. 24. Dezember 
Uli, .Mai, 14. Zerstörendes Beben in Kasach Telaw. 

1M1 K^w'l r^'^f *; t * M »-" Mi " s "" <»b«rla,.f dos Aras und in, 

Aarabagb, mit Herd in der Gegend von Ordnbad; gegen 300 Tote. 

Die Ränder des Rion-Kora-Grabens sind mit Herden besetzt, die im all- 
gemeinen, trotz vereinzelter Schaden- und Zerstörungsbeben, selten einmal über 
Kleinbebencharakter hinauszugehen scheinen. Zwei Ooßbebenherde liegen 
submarin im Schwarzen Meer unweit von Suchum und von Tirabzon (Traoezunt) 
dort, wo das Bodenrelief die Annahme nahelegt, es setze sieb der Riongraben 
submarin iort, Em besonders regsames Gebiet mit Herden von Mittelbeben- 
charakter bildet das Bruchbecken des Toporawansees: AchalkalakiM, Alawerdv 
Alexandropol-Leninakan und Ardaban, daneben and, Achalzieh-Borshom und 
Schulawery haben nicht selten mehr oder minder schwer gelitten. Demgegenüber 
tritt der Einbruch des Goktschasee« sehr zurück, obwohl auch aus Haiaset Erd- 
. bebenschäden lokalen Ursprungs bekannt sind. Bloß das Üstende dieser Senke 
der iertergraben, zeigt einen Mittelbebenhcrd bei Stepanjurt-Scbuscha. Durch' 

') J- Jbuici.K^'ow, Matcriaux reccnillis sur le tromblcmmt <le torre d'Akhal- 
kalaki. Horn. Oomite (ieol., N. S. Nr. 1. St. Pelersburg IUI)». 



812 



A. Sieberg: Erdbebengeographie 



[126 



verstärkte Erdbebentätigkeit hebt sich der ganze. Arasgraben mit dem Karabagh 
und das benachbarte Bruchgebiet am Nordende des Urmiasees hervor. Vor allem 
wurden Ani, Armeniens alte Hauptstadt, Towin und Arguri am Nordhang des 
Ararat sowie die ganze Gegend von Nachitschewan bis Ordubad. Utschtube und 
Goris zerstört. Die schweren Beben zu Khoi und Marand im Koturgraben leiten 
hinüber zum Großbebenherd des Bruchfeldes von Täbris, der sich oftmals ver- 
derblich betätigt hat. Dagegen sind aus dem Bruchfeld von Ardebil und dem 
Kaspischen Küstenbruch von Lenkoran bloß harmlose Erschütterungen bekannt, 
Der Politische Gebirgshorst bricht nach Süden zum Graben des Kelkid Irmak ab; 




Fig. 441 

Die Erdbebentätigkeit Armeniens und des Kaukasus 



Herde schwerer Beben liegen bei Amasia, Neocäsarea-Tokat, Enderes (Eig. 440) 
und Schebbin. Auch der Oberlauf des Karasu wird durch Bruchdislokationen, 
zum Teil grabenartiger Natur, vorgeschrieben. Die Gegend von Erserum hat 
mehrfach erheblich zu leiden gehabt, während Ersingan in der Zeit von 1045 
bis 1784 von 17 Katastrophenbeben heimgesucht wurde. Hauptherdgebiet ist 
der Nordabbruch des Armenischen Taurus. Herde schwerster Beben sind im 
Muradsutal bei Kharput, im Müsch graben sowie im Bruchfeld des Wansees 
bei Bitlis und bei Melaskert zu suchen. Die Nimruderuption von 1441 war zweifel- 
los von Ausbruchsbeben begleitet. -Der Mittelbebenherd bei Maltia sowie der 
Herd von Diarbekr scheinen darauf hinzudeuten, daß die in Frage kommenden 
Abschnitte des Euphrat- und des Tigristales von Querbrüchen gebildet sind. 



127] 



Asien 



813 



§ 205. Der Kaukasus ist fast reines Faltungsgebiet. Deshalb bleibt sein 
Inneres so gut wie bebenfrei bis auf jene Randgebiete, die von Bruchdislokationen 
betroffen worden sind. 

a) Der Aufbau, der auch im Äußern klar zum Ausdruck kommt, zeigt 
ein vom Süden und Südwesten her aufgefaltetes Hochgebirge (Elbrus 5629 m). 
Kristalline Gesteine bilden die Kernzone NW— SO streichender Fächerfalten aus 
paläozoischen und liasischen Sedimenten, die nach Norden nur sanft geneigt, 
nach Süden aber stark verfaltet und überkippt sind. Die Nordabdachung hat 
neben dem Einbruchsbecken von Wlad ikawka s m it d e m v orgelagerte n H orst 
des Kleinen Karbada und dem anschließenden Randbruch bis zum Kaspisee 
nur örtliche Bruchstörungen. Anders verhalt sich die Südseite. Der ganze Abfaü 
zum südlichen Vorland, zur Rion-Kura-Niederung, erfolgt durch Bruch, der nach 
Osten zu immer intensiver wird ; ganz im Südosten nehmen die Längsverwerfungen, 
die sich dort zu zwei alttertiären und einer jungtertiären Stufe vereinigen, an 
Zahl und Sprunghöhe zu. Dazu gesellen sich östlich des Meridians von Oni 
zahlreiche, auch in der Oberflächengliederung klar zum Ausdruck kommende 
Querbrüche, weil der Ostkaukasus als Ganzes gegen den Westen abgesunken ist. 
Namentlich der Shahdag ist ganz in Klippenschollen aufgelöst. Die kaspische 
Küste von Petrowsk an bis einschließlich der Halbinsel Apscheron efitstand 
durch Einbruch des Kaspisees. Aus manchen Brüchen ergossen sich andesitische 
Lavadecken und es bauten sich Vulkane auf, die, obwohl erloschen, zum 
Teil noch gut erhalten sind. 

b) Die Erdbebentätigkeit (Fig. 441), soweit sie aus dem Erdbeben- 
katalog 1 ) von Muschketow und Orlow sowie aus den Berichten des russischen 
Erdbebendienstes bekanntgeworden ist, hält sich in sehr bescheidenen Grenzen. 
Aus dem Innern des Gebirges liegen Erdbebenmeldungen bloß von Gudaur, 
Weden, Botlich und Gimry vor. Am Nordrand haben vor allem der Einbruchs- 
kessel von Wladikawkas, Mosdog am Karbadahorst sowie dasTerektal bei Grosnyi 
und Omachan-jurt nicht seltene, aber stets harmlose Erdstöße aufzuweisen. 
Dazu gesellen sich Beben der gleichen Art in den Gegenden von Pjatigorsk, 
Maikop, Stavropol, Ekaterinodar und Anapa nahe der Kubanmündung. Eine 
erheblich regere Tätigkeit zeigt der Bruch, an dem zwischen Petrowsk und der 
Apscheronhalbinsel der Ostflügel des Kaukasus unter dem Kaspischen Meere 
versinkt. Deschlagar und Derbent sowie die Gegend von Marasy haben mehr 
oder minder schwer unter Erdbeben zu leiden gehabt. Der bebenreiche Süd- 
abbruch gegen den Kuragraben wird stellenweise, so bei Telaw und Nucha, von 
schadenbringenden und selbst zerstörenden Beben betroffen. Berüchtigt' ist der 
Herd von Schemacha 2 ) wegen seiner häufigen Verheerungen, die die Verlegung 
des Regierungssitzes nach Baku notwendig machten. Des submarinen Groß- 
bebenherdes vor Suchum wurde bereits Erwähnung getan. 

§ 200. Die Iranischen (iebirgslämler. Über ihre Erdbebentätigkeit war bis 
jetzt kaum mehr bekannt als die Angabe von Stahl, wegen der großen Zahl 
von Erdbeben würden leichtere Stöße überhaupt nicht beachtet. Im Gegensatz 
hierzu ist nachstehend ein Bild entwickelt, das schon recht weitgehende Aus- 
künfte selbst über Einzelheiten der Erdbebentätigkeit gibt, obschon in der 
Hauptsache bloß Groß- und Mittel bebenherde ungefähr lokalisiert werden konnten. 



*) Vgl. auch 1». Kkzmaiuk, Grundzüge der Erdbebengeographie des Knukasus. 
I.Teil. Wien 1912. 

2 ) V. Weber, Treinblenient, de terre de Chemiikha du :\] janvier (Iii fevrier) 
1902. .Mein. Tonnte (ieol.. N. S.. Nr. 9. St. Petersburg, 1903. 



814 



A. Sieberg: Erdbebengeographie 



[128 



Darüber hinausgehend wurde versucht, an einigen Stellen Schlüsse auf noch 
unbekannte 'Bruchtektonik zu ziehen. 

* a) Der Aufbau 1 ) Irans zeigt ähnliche Verhältnisse wie derjenige Ar- 
meniens, vor allem tertiär gefaltete und später durch Bruchdislokation zer- 
stückelte Gebirge. Auch hier handelt es sich um ein von hohen Randketten um- 
schlossenes Hochland von 700 — 1200 m Höhe. Unsere Kenntnisse über die 
Tektonik des Gebietes sind zwar sehr dürftig, aber soviel wissen wir doch, daß 
die Randketten durch tertiären Schub aufgestaut wurden und im Süden meist 
durch Brüche begrenzt sind. Die südlichen Randketten beginnen im Ararat, 
vereinigen sich im Zagrosgebirge (Kuh-i-Dena 5180 m) mit (Fem vom Wansee 
herüberziehenden Kurdistangebirge und begleiten die Bruchküsten vom Persi 
sehen Meerbusen, Golf von Oman und Arabischem Meere. Über dem fast 1000 m 
tiefen Kesselbruch des südlichen Kaspischen Meeres erheben sich die Horste 
der Nordketten, die vom Karabagh Hocharmeniens her zum Hindukusch und 
Pamir überleiten. Karadagh, Gilan und Elburs mit dem erloschenen Vulkan 
Demawend (5670 m) sind durch Längsbrüche in Parallelketten aufgelöst, wozu 
sich noch Querbrüche gesellen. Besonders steil ist der Abbruch auf der Südseite 
in zahlreichen Staffeln. Zwischen den Tertiärfalten des Aladagh und Kopetdagh 
bildet das Atrektal einen grabenförmigen Einbruch. Gebirgsketten, durch weite 
Senken voneinander getrennt, erfüllen das Hochland des Innern. Hier spielen 
streichende Verwerfungen sicherlich eine erhebliche Rolle; vor allem wird dies 
vom Kuhrud mit großer Bestimmtheit angenommen. 

b) Die Erdbebentätigkeit (Tab. 156 und Fig. 442) war bis jetzt deshalb 
kaum zu überblicken, weil das Nachrichtenmaterial in zahlreichen und zum Teil 
schwer zugänglichen Schriften versteckt ist. Von der Häufigkeit der Erdbeben 
gewinnen wir auch jetzt noch keine befriedigende Vorstellung, wohl aber von den 
wichtigsten Herdgebieten. 

Tabelle 156 
Wichtigere Erdbeben Irans 
856. Zerstörendes Erdbeben in Kum; gefühlt bis Khorassan, Syrien und Yemen. 
856. Schweres Erdbeben im Schawardgebirge mit Zerstörungen in Bostam. 
957» Erdbebenzerstörungen am Demawend und zu Rhei, viele Tote. Seismische 

Woge im Kaspischen Meer. 
1)58. In Kaschan und Umgegend zerstörendes Erdbeben. 

1052. Zerstörendes Erdbeben in Kuhistan, vor allem in Ardakan mit Felsstürzen. 
1139. Schadenbeben in Herat und Chonsar mit Bodenspalten und Schlamm- 
ergüssen . 

1209. In Nischapur ein Schadenbeben. 

1673, im August. Schweres Erdbeben in Khorassan; Zerstörungen in Meschede 

Nischapur und Umgegend. 
1755, Juni, 7. In Kaschan Erdbebenzerstörungen; gemeldet auch aus Täbris und 

Isfahan. 

1824, Juni, 23. Schiras und Kasrun großenteils durch ein Erdbeben zerstört. 

Wiederholung im Oktober 1825. 
1820, im März. Zu Basidu auf der Insel Kischm im Persischen Golf und in der 

Umgegend ein sechstägiger Schwann kräftiger Erdbeben. 
1820. Erdbeben auf der Insel Kischm. 
1830, Mai, 9. Zerstörendes Erdbeben in Teheran. 
1865, im Juni. Kräftiges Schadenbeben in Schiras. 
1871, September, 6. Mehrere kräftige Erdstöße in Buschähr. 



J ) A. F. Stahl, Persien, Handb. d. Region. (Jeol., 8. Heft. 1911. 



129] 



Asien 



815 



1872, im Januar. Schirwan erlitt kräftige Erdbebenschäden. 
1872, im Juni. Verwüstung von Hamadan durch ein Erdbeben. 
1879, April, 2. Schweres Erdbeben in der Gegend von Budjurd, 21 Dörfer völlig 
und 45 teilweise zerstört; über 700 Tote. ° 
LS84, Mai, 19. Zerstörendes Erdbeben auf der Insel Kischm, besonders zu Basidu; 

200 Tote. Gefühlt bis mindestens Bender Abbas. 
1890, Juni, 27. /28. Verheerendes Erdbeben in Nordpersien, große Erdspalten und 

Felsstürze bei Täsch. 
11103, September, 25. Schwere Erdbebenzerstörungen in Turchis samt 25 Dörfern 
rn 35 km Umkreis; viele Tote. Ohne Schäden in Turbet-i-Cheidari. Wieder- 
holung am 30. September, 209 Tote. 

1904, November, 9. Zerstörendes Erdbeben in Kaaka Kaie, Schäden in Mesched; 
großes Schüttergebiet. 

1905, Januar, 9. Schweres Erdbeben im Irak Adjemi, Schäden zu Darun; ge- 
fühlt bis in die. Gegend von Lenkoran. 

11)09, Januar, 23. Völlige Zerstörung von Lavan, Schäden bis Isfahan. 

11)23, Mai, 26. Turbet-i-Cheidari nebst 30 Dörfern in 25km Umkreis zerstört; 

300 Tote. Zahlreiche Nachbeben. 
1923, September, 17. Schweres Erdbeben im Attrektal, völlige Zerstörung von 

Budjurd und 9 Dörfern, weitere 22 Dörfer wurden teilweise zerstört; 157 Tote. 

Leicht in Mesched. 

11)23, September, 24. Kräftiges Schadenhöhen in Kirman, großes Schüttergebiet. 
1925, im Februar. Beginn von Solfatarentätigkeit mit Schlammströmeii zu 
Beidjan. 

11)25, Juni, 10. Erdbebenzerstörungen zu Burudjirt und Umgegend. 
11)28, März, 9. Zerstörendes Erdbeben in Nehbedan und Umgegend. 
11)30, Oktober, 2. Zerstörendes Erdbeben am Demawend, besonders in den Dörfern 

Ah und Mebarak-Abad; zahlreiche Verletzte. Vorbeben seit Ende September, 

Nachstöße bis Ende November. 

Der kaspische Küstenbruch scheint sich verhältnismäßig ruhig zu verhalten ; 
Schadenbeben sind bekannt von Enseli, zerstörende Beben aus der Gegend von 
Täsch- Astrabad. Am Südabbruch des Elburs beim Demawend haben Teheran, 
Rhei und Ah unter schweren Erdbeben zu leiden gehabt ; wenig nördlich hiervon 
verursachte 1925 plötzlich auftretende Solfatarentätigkeit nicht wenig Schrecken. 
Weiter östlich ist Bostam am Südabbruch des Schahwardgebirges von zerstören- 
den Beben betroffen worden. Besonders lebhafte Tätigkeit entfaltet der Atrek- 
graben vor allem bei Schirwan, Budjurd, Kutschan und Mesched, wo zerstörende 
Beben nichts seltenes sind. Der Herd des schweren Bebens von Kaaka Kaie 
legt den Gedanken nahe, der Kopetdagh sei ein Horst. Desgleichen deuten die 
zerstörenden Beben von Turbet-i-Cheidari und von Turchis auf Bruchdisloka- 
tionen am Gebirgsrand. Der Ostabbruch des Zagrosgebirges gegen das Hoch- 
land des Innern ist durch Mittel- und Großbebenherde in der Gegend von Ha- 
madan, Burudjirt-Lavan und Darun bezeichnet; von diesen scheinen auch 
die mehrfachen Schadenbeben ausgegangen zu sein, die in Isfahan verspürt 
wurden. Ferner weist das Bruchbecken des Nirissees Herde schwerer Beben auf, 
unter denen mindestens derjenige von Schiras ein Großbebenherd ist. Der durch 
Bruch gebildete Ostrand des Kuhrud hat Herde zerstörender Beben, zum Teil 
von Groß- und Mittelbebencharakter bei Kum, Kaschan, Ardakan und im 
Becken von Kirman. Schließlich deutet der Herd von Nehbedan auf Bruch- 
störungen im Dubuseh- und Darwosagebirge. Der bekannte Abbruch 1 ) der 



*) M. Blanckfaiiorn, Geologie von Syrien, Arabien und Mesopotamien. Handb. 
(1. Kegion. Geol., Heft 17. 1914. 

Handbuch der Geophysik. Hd. 4 5^ 



816 



A. Sieberg: Erdbebengeograpkie 



[130 



südiranischen Randgebirge gegen den seichten Persischen Golf besitzt einen häufig 
tätigen Lokal- bis Kleinbebenherd in der Gegend von Buschär. Einen Mittel- 
bebenherd, der besonders die Insel Kischm schwer heimgesucht hat, und von 
dem auch die nicht selten aus Bender Abbas gemeldeten Erdstöße ausgehen 
dürften, beherbergt der Grabenbruch der Hormusstraße. 




Fig. 442. Die Erdbebentätigkeit Irans 



§ 207. Das Indische Gebirgssystem umfaßt den südasiatischen Rest des^ 
alten Gondwanalandes, also die vorderindische Halbinsel, sowie den Kranz 
junger Faltengebirge, der den Norden von Iran an bis nach Hinterindiea 
umrandet. Den großen Gegensätzen im tektonischen Aufbau entsprechen auf- ; 
fällige Unterschiede in der Erdbebentätigkeit. Weiteste Landstriche sind durch 
Bebenarmut ausgezeichnet, während in einzelnen Bruchzonen Beben schwerster 
Art, vor allem Großbeben, eine häufige Erscheinung sind und selbst Weltbeben * 
nicht fehlen. Auch wurden in manchen Küstengegenden Seebeben und Seismische 
Wogen beobachtet. Einer unter Sieberos Leitung von H. Gerhardt 1 ) durch- 
geführten Untersuchung sind die nachstehenden Angaben entnommen. 

l ) II. Gerhardt, Die Erdbebentätigkeit Südasiens und des Malaiischen Archipels 
sowie ihre Beziehungen zur Tektonik. Jenaer Dissert. 1931. 



131] 



Asien 



817 



a) Der Aufbau 1 ) zeigt als alte Kernmasse den Horst der vorderindischen 
Halbinsel mit dem paläozoischen Rumpf gebirge der Aravallis und der abgetrenn- 
ten Insel Ceylon. Zu alten Brüchen gesellten sich junge, denen während der Kreide- 
zeit die gewaltigen Deckenergüsse aus basaltischem Magma im Dekkan entquollen. 
In den ostiranischen Randgebirgen Afghanistans und Belutschistans liegen tertiäre 
Faltenketten neben älteren und ältesten Massen, die überall mit bedeutenden Stö- 
rungen aneinander treten, so besonders am Herirud und an der alten Kabulmasse, 
im Tschitraler Gebiet, bei Quetta und am Rand der Ostpersischen Ketten. Die 
we iten Mulde n und Sättel des Pamir, eines Hochlandes von über 4000 m Mittel- 
_öhe, wurden Tm Karbon angelegt und während der alpinen Faltungsperiode weiter 
aufgestaucht. Brüche sind hauptsächlich im Nordwestrand nachgewiesen. Der 
Karakorum und das vorkarbonische Hedingebirge sind noch so gut wie unerforscht. 
Jüngste Faltung schuf die parallelen Ketten des Himalaya mit mächtigen Längs- 
tälern und eingeschalteten Hochflächen. Die nördlichen Ketten überragen die 
südlichen an Höhe und tragen die höchsten Gipfel (Kangchendzönga 8580 m, 
Everest 8880 m). Über die Tektonik ist noch wenig bekannt, jedoch scheint 
Bruchdislokation eine untergeordnete Rolle zu spielen; Bruchstörungen finden 
sich im Kaschmirtal und entlang einigen südlichen Ketten; ferner begleitet eine 
Hauptverwerfung den ganzen Südrand des Gebirges gegen die Gangesniederung. 
Für den Bau Hinterindiens waren bestimmend die alte Masse von Kambodja und 
das Hochland von Shillong, dessen kristalliner Teil an einer Verwerfung abbricht. 
Von den Faltenketten, die zwischen den beiden Massiven eingeklemmt sind, 
entstanden bloß die Westlichen, das Patköi- und Arakangebirge, im Tertiär. Der 
Oberlauf des Irawadi und der Sittang folgen einer gewaltigen Meridionalver- 
werfung. 

b) Die Erdbebentätigkeit (Tab. 157, Fig. 443—445) in älterer Zeit ergibt 
sich aus der kritisch bearbeiteten Materialsammlung von Th. Oldham 2 ). Etwa 
seit Jahrhundertbeginn veröffentlichte der Indische Wetterdienst 3 ) in Calcutta 
Erdbebennachrichten. Monographische Bearbeitungen wichtigerer Einzelbeben 
durch R. D. Oldham, Griesbach, Middlemiss, Jones, Medlicott, Marvin 
u. a. erschienen meistens in den Abhandlungen des Geologischen Landesdienstes 
für Indien. 

Tabelle 157 
Wichtigere Erdbeben Indiens 
| 893. Zerstörung von Daipul; angeblich 180000 Tote. 

1505, Juli, 6. Schwere Zerstörungen durch ein Erdbeben in Kabul, Bala Hicar, 
Pangan und Umgegend. Zwischen Istarghab und Maidan. vertikale Bodenver- 
sehiebungen bis zu 2 in. Zahlreiche Nachstöße. 



1 ) D. N. Wauia, Geology of India. London, 1926. — II. II. Hayden, Geo- 
logy of Northern Afghanistan. Mein. Geol. Survey of India, 39. — E. Trinkler, 

- Afghanistan. Peterm. Mitt., Ergänz. -Heft 196. 1928. — Derselbe, Die geologisch- 
morphologische Entwicklungsgeschichte des Südwestens Zentralasiens. Peterm. Mitt., 

t 1926. — Derselbe, Aus dem westlichsten Teil des afghanischen Ilindukusch. Ebenda, 
1925. — G. 0. Dyhrenfurtii, Über die geologischen Ergebnisse der Himalaya- 

^- Expedition 1930. Mitt. Deutsch-Österr. Alpenvereins, 1930. — Burrard-Hayden, 
Geography and Geology of the Himalaya Mountains and Tibet. Calcutta, 1907/08. — 
F. Blondel, Etat de nos connaissances en 1929 sur la geologie de lTndochine francaise. 

: Q. R. des XV. Intern. Geologenkongresses. Pretoria, 1929. — ■ E. Trinkler, Hinter- 

vindien, in Gerbings Erdbild der Gegenwart. Leipzig 1927. 

2 ) Tu. Oldham, A catalogue of indian earthquakcs from the earliest iiine t<> 
the end of A. D. 1869. Mein. Geol. Survey of India, XIX. Calcutta, 1883. 

3 ) Monthly Weather Keview, Government of India. Calcutta. 

53*